Klassische Medieninhalte sind online besonders gefragt
Der Hype um User Generated Content ist vorbei, aber unwichtig ist er deshalb nicht. Die Interaktivität im Web 2.0 kommt gerade den journalistischen Angeboten von den professionellen Medien zugute. Eine Revolution mit ganz neuen Erfahrungen steht für die Mediennutzer derzeit nicht an, vor allem herkömmliche, aus anderen Medien bekannte Inhalte sind im Netz gefragt.
"Internet und Broadcast sind keine Gegensätze mehr, sondern das Fernsehen ist bereits ein wichtiger Teil des Internets", lautet das Fazit der IFA-Veranstaltung "Broadcast goes Internet" beim Kongress der Medienwoche am Wochenanfang. Von den klassischen Medien kämen die großen Themen, neuen Formate, großen Marken, die attraktivsten Inhalte für das Internet, wird in einer Pressemitteilung der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH festgestellt. "Der Hype des User-generated Content sei vorbei, qualitativ hochwertige Inhalte und Servicefreundlichkeit werden zunehmend von den Usern gefordert", waren sich die Diskussionsteilnehmer bei allen sonstigen Meinungsunterschieden einig.
"Revolutionär" nannte Christopher Schläffer von der Deutschen Telekom die Vernetzung verschiedener Vertriebswege und Plattformen über das Internetprotokoll. Das Unternehmen steckt derzeit viel Geld in ihr IPTV-Angebot und setzt darauf, dass die herkömmlichen Verwertungsketten sich verändern und so neue Geschäftsmodelle möglich werden, beispielsweise individualisierte Werbung.
Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, gibt laut Presseinformation der Mediengruppe RTL Deutschland zu bedenken: "Ein Livestreaming zum PC und lineares IPTV allein sind noch keine neue Kundenerfahrung und werden für sich genommen nicht die Mediennutzung revolutionieren. Erst wenn die spezifischen Vorteile der IP-Welt mit einbezogen werden, wie z.B. die Adressierbarkeit und Rückkanalfähigkeit, werden neue Produktwelten geschaffen, die neben, nicht anstelle des Mediums TV eine Relevanz für den Massenmarkt erreichen können."
Allerdings glaubt er an ein weiterhin stark steigendes Interesse an bewegten Bildern im Netz: "In Deutschland werden wir im kommenden Jahr auch in diesem Bereich ein deutliches Wachstum sehen. Und das sowohl bei den Zuschauern als auch hoffentlich bei den Werbeerlösen."
Während TV-Inhalte schon seit einer Weile sehr im Internet gefragt sind, ob beim kostenlosen Fernsehen über das Internet oder in Mediatheken und auf Videoportalen von Fernsehsendern, kommt das Internet nur in kleinen Schritten auf den großen Bildschirm im Wohnzimmer, obwohl Flachbildfernseher mit einer bequemen Couch davor für das Anschauen von Web-TV, Musikvideos und längeren Inhalten aus Premium-Bereichen von Videoportalen an sich viel attraktiver sind als der Computermonitor am Schreibtisch. Mit Widgets könnte es endlich was werden.
"Wir verfolgen mit hohem Interesse die Entwicklung bei hybriden Empfangsgeräten, insbesondere im Hinblick auf TV-Widgets. Diese Technologie bietet Chancen für innovative Anwendungen und neue Geschäftsmodelle", glaubt Marc Schröder. Er weißt gleichzeitig jedoch auf Gefahren für die eigenen Geschäftsmodelle hin. Gegen "Trittbrettfahrer" wolle man entschlossen vorgehen. Deshalb verfolge man "eine Kombination aus Schutz vor Missbrauch und proaktivem Angebot als bessere Alternative".
Nur alte Inhalte auf zusätzliche Bildschirme zu bringen, hält Gerhard Schaas, Vorstand der Loewe AG und Vorsitzender der Deutschen TV-Plattform, für zu wenig. Der Fernseher solle nicht nur "als Abspielgerät des Internets" genutzt werden, sondern es müssten "neue hybride Inhalte" angeboten werden.
Bei einer anderen Diskussionsrunde mit Chefredakteuren und Managern von CNN International, WAZ NewMedia, N24, dpa, stern.de und International Data Group (IDG) gab es ein positives Fazit zu interaktiven Web 2.0-Angeboten: "Ohne Twitter, soziale Netzwerke und die aktive Teilhabe von Bürgern an der Nachrichtenbeschaffung geht es nicht mehr", stellte man laut Presseinfo fest. User Generated Content erhöhe Authentizität und Relevanz.
Das ist in meinen Augen überhaupt kein Widerspruch zu Aussagen über ein fEnde des Hypes um von Nutzern erstellte Inhalte. Professionelle Medieninhalte werden durch User Generated Content bzw. Social Web-Aktivitäten nicht verdrängt, sondern ergänzt, erweitert und verbessert.
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