Verfügbarkeitsprüfung: Kabel Deutschland | Kabel BW | Unitymedia | Telecolumbus | EWE TEL

tvister: Programminfos im Web 2.0 Stil

17. September 2009

Als einen intelligenten Programmbegleiter stellt die Deutsche Telekom die Website tvister.de vor. Sie bietet nicht nur Basisinformationen, wie die meisten Online-Programmzeitschriften, sondern vernetzt diese mit weiteren Informationsquellen und setzt ein wenig auf Kommunikation der Nutzer, indem derzeit vor allem Empfehlungen ausgesprochen werden sollen.

Eine “Plattform mit allen wichtigen und interessanten Informationen rund um das Fernsehprogramm” möchte tvister sein. Angesichts des derzeitigen Ausbaustands der Website wirkt das zunächst wie ein Griff nach den Sternen, doch so lange ist tvister nun noch nicht online, noch befindet man sich im Beta-Status. Das Konzept überzeugt jedoch auf Anhieb.

Eine typische Nutzungssituation wird in einem aktuellen Pressetext so geschildert: “Freitagabend: Sie sitzen auf der Couch und zappen durch das TV Programm. Ein bekanntes Gesicht erscheint auf dem Bildschirm und die üblichen Fragen treten auf: Wie ist der Name des Schauspielers? Hat der nicht auch vergangene Woche in dem Blockbuster mitgespielt? Wie hieß der Film noch gleich und wann kommt die Wiederholung des Spielfilms, der gerade läuft?” Man muss sich die Antworten auf diese Fragen nicht mehr selbst auf verschiedenen Websites zusammensuchen, denn tvister aggregiert alles rund um die Sendungen und hält die Informationen übersichtlich strukturiert bereit.

Auf diese Weise soll tvister zur besten Anlaufstelle für alle werden, “die neben dem Fernsehen gerne auch gleichzeitig im Internet surfen”. Informationen wie aus herkömmlichen TV-Guides möchte man mit den “Möglichkeiten des Internets” verknüpfen. “tvister ist ein innovatives Produkt zur Parallelnutzung von Fernsehen und Internet und fügt sich damit perfekt in unser integriertes Produktportfolio für vernetztes Leben und Arbeiten ein. tvister ergänzt unser bestehendes Angebot um eine intelligente Schnittstelle zwischen Web und TV”, erklärt Christoph Schmidt, Senior Vice President Personal & Social-Networking Applications bei Products & Innovations der Deutschen Telekom. “Durch die Fokussierung auf junge, aktive Multitasker hilft uns tvister, eine völlig neue Zielgruppe zu erreichen”, so Schmidt weiter.

Ob es eine gute Entwicklung ist, während des Fernsehens zusätzlich das Internet zu nutzen, lassen wir einmal außen vor. Eine Entwicklung in diese Richtung gibt es schon lange. In ihrer Presseinfo führt die Telekom eine Studie der EIAA an, wonach schon jeder Fünfte gleichzeitig TV und Web nutzt. Keine Überraschung: Die meisten dieser “Media-Multitasker” sind jünger als 35 Jahre. Dieser Gruppe sollen bislang Online-Angebote gefehlt haben, die sich an das aktuelle Fernsehprogramm anpassen und beispielsweise Hintergrundinformationen liefern.

Zusätzlich zur einer dreiwöchigen Programmvorschau für zahlreiche Fernsehsender bietet tvister Zusatzinformationen: ähnliche Sendungen und Schauspieler, weitere Sendetermine, News und Links mit weiterführenden Infos sowie zum Thema (mehr oder weniger gut) passende Bilder und Videos. Alles soll auf einen Blick zu erfassen und bloß einen Mausklick entfernt sein.

Um tatsächlich zur ersten Adresse für die Parallelnutzer von TV und Web zu werden, muss bei der Zahl der Informationsquellen noch deutlich nachgelegt werden. Über Schauspieler beispielsweise informiert schließlich nicht nur Wikipedia, es gibt eine Menge starker Seiten im Internet. Da muss unbedingt mehr passieren!

Die Funktion, mit der beim Betrachten der Details einer ausgewählten Sendung andere Sendungen empfohlen werden, ist aktuell noch keine große Hilfe. Ein Beispiel: Am Samstag zeigt Sat.1 die Trickfilm-Komödie “Flutsch und weg”. Als “verwandte Sendungen” angezeigt werden dazu beispielsweise “Als die Deutschen weg waren”, wozu der erste Satz aus der Programminfo lautet “Die politische Führung in Moskau will das nördliche Ostpreußen nie wieder hergeben und beginnt umgehend damit, es zu einem sowjetischen Musterland umzubauen.”

Da ist das Wort “weg” wohl die Basis für die Ähnlichkeit. Das ist nicht das, was ich von einem “intelligenten Programmbegleiter” erwarte. Weitere Empfehlungen sind “Deutschland ade – Die Auswanderer” und (das Highlight der maschinellen Fehleinschätzung) “Code Red – Der Weg ins Verderben”, ein SF-Actionfilm-Gemetzel im afrikanischen Regenwald zwischen einer US-Eliteeinheit und Außerirdischen.

Wer sich als User bei tvister registriert, soll bessere Programmempfehlungen erhalten: “Zudem bietet tvister exakte und auf den einzelnen User zugeschnittene TV Empfehlungen. Diese werden anhand des Klickverhaltens des registrierten Users erstellt. tvister passt sich über die Zeit an die Ansprüche und Gewohnheiten seiner Nutzer an und lässt sich sowohl aktiv vom Nutzer, als auch passiv vom Nutzungsverhalten personalisieren. Die Inhalte auf tvister orientieren sich direkt an den TV-Angeboten, sind entsprechend der ausgewählten Sendung individuell aufbereitet und liefern so immer neue und interessante Programmergänzungen”, verheißt der Pressetext. Ein Profil anlegen, Sendungen kommentieren und bewerten sind weitere den registrierten Usern vorbehaltene Funktionen.

FAZIT: tvister.de hat Potenzial. Die Idee hinter dem Projekt ist nicht wirklich neu, aber mit einem so großen Unternehmen wie der Deutschen Telekom im Rücken könnte tvister tatsächlich in kurzer Zeit zu einem stark genutzten Informationsangebot rund um das TV-Programm aufgebaut werden. Allein die vielen Möglichkeiten, dieses Projekt mit bestehenden anderen Angeboten im Konzern zu verbinden, sprechen schon dafür.

So überzeugend ich das Konzept finde, so wenig möchte ich zur Gruppe der aktiven Multitasker gehören oder mit so jemandem abends die Fernsehcouch teilen, denn meine Assoziation mit dem Begriff  geht mehr in diese Richtung: Wegen solcher Typen geh ich schon nicht mehr ins Kino, denn statt in Ruhe den Film zu anzusehen, müssen solche Leute die ganze Zeit über reden oder SMS verschicken, wenn sie nicht gerade mit der Chipstüte rascheln. Das muss ich nicht auch noch zu Hause haben! Allerdings greife ich inzwischen ganz selbstverständlich zu meinem Smartphone, um während einer Sendung auftretende Fragen sofort im Internet zu recherchieren. Der Informationsbedarf besteht – nicht nur bei “aktiven Multitaskern”.

  • del.icio.us
  • Technorati
  • Facebook
  • LinkArena
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Mixx
  • Twitter
Kategorie: Allgemein

1 Kommentar zum Thema tvister: Programminfos im Web 2.0 Stil

[...] und die Vorteile digitaler Videorekorder und Onlinevideotheken wie Maxdome bereits nutzt, sich auf Programm-Info-Plattformen wie tvister.de oder auf Video-Suchportalen für TV-Inhalte wie www.sendungverpasst.de nach den [...]


Elektronische Programmzeitschriften entwickeln sich weiter | Der Kabel Blog | 5. November 2009

Jetzt kommentieren







Beitrag vor- oder zurückblättern: