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DIW krititisiert Marktversagen bei Einführung von HDTV

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) spricht von einem Marktversagen bei der HDTV-Einführung in Deutschland. Fernsehsender, Netzbetreiber und andere Akteure wie Filmproduktionsfirmen versuchen jeweils eine möglichst starke Position im HDTV-Markt zu erlangen und zeigen sich wenig kompromissbereit. Für die Fernsehzuschauer bedeutet das dem DIW zufolge weniger Auswahl bei Endgeräten, Gebühren für bisher kostenlose Dienste und willkürliche Einschränkung ihrer Nutzungsmöglichkeiten.

Obwohl sich Flachbildfernseher, die für HDTV geeignet sind, seit einer Weile sehr gut verkaufen, gucken die wenigsten Menschen schon hochauflösendes Fernsehen. Beim DIW ist man sehr pessimistisch: "Wir gehen von weniger als einem Prozent der Zuschauer aus", sagt Georg Erber vom DIW Berlin. "Die  Einführung von HDTV mit dieser Technologie kann auch zu Wettbewerbshemmnissen führen", sagt Sven Heitzler.

Seit Beginn des HDTV-Regelbetriebs bei ARD und ZDF zu den Olympischen Winterspielen im letzten Monat dürften es schon ein wenig mehr sein, vermute ich, denn Das Erste HD, ZDF HD sowie arte HD werden völlig unverschlüsselt ausgestrahlt. In der Verschlüsselung liegt schließlich das Haupthindernis für einen Erfolg von HDTV.

Ansonsten klingen die Aussagen der DIW-Experten, wonach die HDTV-Einführung eine Reihe von Problemen für die Fernsehzuschauer bringe, sehr überzeugend. Deshalb möchte ich Euch ihren ausführlichen Artikel "HDTV in Deutschland: Fehlendes Innovationsmanagement führt zu Marktversagen" im Wochenbericht 12/2010 des DIW zum Lesen empfehlen.

Nur die allerwenigsten Fernsehhaushalte verfügen über die für den Empfang von HD-Programmen erforderliche Empfangstechnik. Sich einen Flachbildfernseher mit "HD ready"-Logo zu kaufen, reicht eben nicht, um hochauflösendes Fernsehen empfangen zu können. Benötigt wird ein HD-Empfänger, der bisher nur in wenige TV-Geräte integriert ist. Eine Integration erscheint mir angesichts der unklaren Situation bei Verschlüssungstechniken und der verschiedenen Empfangswege sowieso nicht sinnvoll.

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T scheidet in Deutschland für den HD-Empfang komplett aus, IPTV ist bisher kaum verbreitet. Für einen Erfolg von HDTV in Deutschland kommt es somit auf Kabel und Satellit an. Die große Mehrzahl der Kabelhaushalte empfängt ihre TV-Programme sogar noch analog. Die privaten Free-TV-Sender sind bisher nur in ganz wenigen Kabelnetzen mit ihren HD-Versionen vertreten.

Das größte HDTV-Angebot bietet derzeit der Satellitendirektempfang via Astra, wo Sat.1 HD, ProSieben HD, kabel eins HD, RTL HD und VOX HD über HD+ und somit verschlüsselt und nur gegen Bezahlung zu bekommen sind. Eine Nachrüstung alter HD-Receiver auf HD+ ist teilweise möglich, kostet aber erneut Geld. Die kommerziellen Free-TV-Sender sind allerdings nicht alleine Schuld an dieser Entwicklung.

"Die großen Filmproduktionsfirmen fordern dies auch von den Sendern", erklärt DIW-Mitarbeiter Sven Heitzler. Neue Verschlüsselungsstandards wie CI plus können das Aufzeichnen mit einem digitalen Videorekorder verhindern. "Gleichzeitig sei die Verschlüsselung mit dem Markennamen HD+ eine neue Einnahmequelle. Dass die Aufteilung dieser möglichen neuen Einnahmen dabei noch nicht geklärt ist, verzögert die Einführung von HDTV zusätzlich", schreibt das DIW im Pressetext.

"Wenn HDTV tatsächlich verschlüsselt wird, ist der Zuschauer am Ende der Dumme", bringt es Georg Erber auf den Punkt und argumentiert dabei ähnlich wie Mitte vorigen Monats die Verbraucherzentrale NRW, die sogar "ein Ende der Verschlüsselung von werbefinanzierten Vollprogrammen, unabhängig vom Verbreitungsweg und unabhängig davon, ob die Verbreitung in Standardqualität SDTV oder hochauflösend in HDTV erfolgt" fordert.

Die HDTV-Verschlüsselung bedeutet für den Zuschauer mehr Kosten bei weniger Komfort. Viele der schon verkauften HD-Empfänger sind zudem nicht für CI plus geeignet. "Filmproduktionsfirmen und Sender arbeiten zusammen, um alle Teile der Verwertungskette zu kontrollieren. Daraus können sich auch problematische Auswirkungen auf den Wettbewerb ergeben", sagt Sven Heitzler.

"In solchen Fällen muss der Staat seine Regulierungsfunktion wahrnehmen", meint daher Georg Erber. "Die Mittel hat er hier in der Hand." Bundeskartellamt und Landesmedienanstalten sollten prüfen, ob und wie verschlüsseltes HDTV mit den aktuellen Rahmenbedingungen überhaupt vereinbar sei. Möglicherweise verstoße die verschlüsselte HDTV-Ausstrahlung sogar gegen die geltenden Rundfunkstaatsverträge.

Wie heute bei heise.de zu lesen ist, scheint Kabel Deutschland mit seinen bereits letztes Jahr angekündigen CI plus-Plänen Ernst zu machen. Kabel Deutschland hat mit CI plus-Tests begonnen, noch im ersten Halbjahr 2010 möchte der größte deutsche Kabelnetzbetreiber ein CI plus-Modul vermarkten.

Kommentare

  1. Kabel Deutschland erklärt, wie man die Fußball WM in HD sieht | Der Kabel Blog

    [...] vielen neuen Fernsehgeräten ist ein Digital-Empfänger bereits eingebaut. Angesichts verschiedener Standards bei der Signalverschlüsselung (was neben Pay-TV-Programmen auch Free-TV-Sender betrifft) [...]





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