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Google TV lässt Internet und Fernsehen schneller zusammenwachsen

Unsere Vorstellung davon, was Fernsehen bedeutet, wird sich nicht allein deshalb ändern, weil Google den Fernsehmarkt entdeckt hat. Das vor ein paar Tagen auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco vorgestellte Projekt Google TV kommt jedoch zur richtigen Zeit und wird maßgeblich zu den bereits in Gang befindlichen Veränderungen beitragen.

Google TV soll "eine offene Plattform, die die Leistungsfähigkeit des Internet mit dem Fernseherlebnis verbindet", werden, schreibt der Konzern. Eine neue Gerätekategorie soll in die Wohnzimmer kommen, um das Internet endlich auch dorthin zu bringen. In anderen Lebensbereichen ist das Internet weit stärker Teil des Alltags geworden, im Wohnzimmer dominiert weiter das Fernsehen, ohne dass es sich stark verändert hätte. Die große Mehrzahl deutscher Kabelhaushalte empfängt sogar nur analoges Fernsehen, selbst Digital-TV setzt sich nur langsam durch. Die meisten Fernsehzuschauer schalten nur einen kleinen Bruchteil der zur Verfügung stehenden TV-Kanäle ein.

Aber die Mediennutzung befindet sich generell in einem Wandel, das Fernsehen steht nur nicht an dessen Spitze. Fernsehen über das Internet, sei es über Web-TV oder IPTV, sowie Video-on-Demand und der Einsatz von digitalen Videorekordern sind Teil einer Entwicklung, die weg vom klassischen Fernsehen mit festen Sendezeiten für ein Millionenpublikum geht.

Der Trend geht zur individuellen Nutzung, bei der die Fernsehzuschauer jederzeit aus einem großen Programmangebot schöpfen können. Mediatheken, Videoportale und Online-Videotheken wie Maxdome befriedigen die Bedürfnisse der Medienkonsumenten besser als das lineare Fernsehen. Noch werden diese Inhalte vor allem am Computer genutzt, doch seit dem letzten Jahr bauen einige Hersteller von Fernsehgeräten Technik in ihre Geräte ein, die einen Zugang zu Internetinhalten ermöglicht. Das volle Interneterlebnis wird dabei bisher kaum geboten, im Gegenteil, dennoch ist der Anfang längst gemacht.

Google hat gemeinsam mit Sony, Intel und Logitech die gemeinsame Plattform Google TV entwickelt, die die üblichen Grenzen sprengt. "Dank Google TV können Verbraucher in Zukunft eine erweiterte Palette an Inhalten betrachten und durchsuchen. Und dies aus einer Vielzahl von Quellen: Fernsehsender, das Internet, persönliche Content-Bibliotheken und mobile Anwendungen", informiert Google.

Die Softwarebasis bildet eine angepasste Version von Android OS, dem von Google für Smartphones entwickelten Betriebssystem. Ebenfalls Teil der neuen Plattform ist der Web Browser Chrome, eine weitere Google-Entwicklung. Google TV wird nicht nur ein paar ausgewählte Online-Inhalte auf den Flachbildfernseher bringen, sondern die Vielfalt des Webs.

Kern der Hardware ist ein spezieller Atom-Prozessor von Intel, der schon dieses Jahr in Geräten von Sony und Logitech verbaut werden wird. Sony wird im Herbst in den USA Fernsehgeräte und Blu-ray-Player für die Nutzung von Google TV auf den Markt bringen, Logitech wird die Companion Box anbieten, eine Art Set-Top-Box, die aber ihrerseits mit anderen Set-Top-Boxen und weiterer Hardware wie externen Festplatten verbunden wird. Inhalte zur Nutzung auf dem Flachbildfernseher gibt es nicht nur im Fernsehen und im Web, sondern etwa auch auf Netbooks und Smartphones der Verbraucher.

Gleichwohl geht es Google ganz besonders um das Internet, wenn das Unternehmen schreibt: "Google TV erweitert die Video-Auswahl aus den Hunderten von Pay-TV-Kanälen um Video-Inhalte, die über das Internet und per Streaming verfügbar sind. Ergänzt wird das Fernseherlebnis mit Google TV um die Möglichkeit, Streaming-Videos von führenden Content-Plattformen anzuschauen, darunter Netflix, Amazon Video On Demand und YouTube. In Zukunft kann Google TV auch Anwendungen vom Android Market ausführen."

Netflix ist in Deutschland unbekannt, Amazon tritt hier bisher nicht im Video-on-Demand-Bereich auf, aber Online-Videotheken wie Videoload, Maxdome, Alice Videothek und die von den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland und Kabel BW geplanten Video-on-Demand-Dienste könnten hierzulande entsprechende Inhalte liefern. Der Pay-TV-Anbieter Sky möchte seine Inhalte "jederzeit und überall verfügbar" machen, diesen Monat kommt Sky Sport über eine App auf das iPad.

Apps werden für Google TV jedenfalls eine zentrale Rolle spielen. Da eine Variante von Android OS als Betriebssystem verwendet wird, können viele Android Apps mit Google TV genutzt werden. Außerdem gibt es dadurch eine große Entwicklergemeinde, die sich mit Android bereits auskennt. Smartphones mit Android OS sollen zudem als Fernbedienung (sogar mit Spracheingabe) verwendet werden können.

Googles Paradedisziplin ist die Suche, dazu kündigt das Unternehmen an: "Um sich in der Vielzahl der Inhalte zurechtzufinden, die damit auf einem einzigen Gerät und einem einzigen Bildschirm verfügbar sind, führt Google TV eine integrierte Suchfunktion ein. Damit können Zuschauer ganz einfach relevante Inhalte finden, sei es bei kostenlosen Fernsehsendern oder Pay-TV, digitalen Videorekordern oder im Internet. Außerdem gibt es eine Bild-in-Bild-Option, mit der sich Verbraucher mehrere Fenster gleichzeitig anzeigen lassen können. Google TV bietet zudem einen innovativen Startbildschirm: Damit können Zuschauer schnell ihre Lieblingsinhalte sortieren und ihr Fernseherlebnis individuell anpassen."

Der durchschnittliche Fernsehzuschauer mag angesichts der vielen neuen Möglichkeiten vollkommen überfordert sein. Flash Videos oder Flash Games auf dem Flachbildfernseher gucken oder in HD-Qualität videochatten? Das ist nichts für jeden. Vor allem noch nicht jetzt.

Wer dagegen längst parallel zum Fernsehen Notebook, Netbook oder Smartphone nutzt, wird von Google TV nicht überfordert. Was die intensive Parallelnutzung (also nicht nur mal schnell Infos zu einem Schauspieler suchen) angeht, bin ich generell skeptisch. Doch das Internet hat auf Dauer weit mehr interessante Inhalte zu bieten als das herkömmliche Fernsehen. VonVideos über Musikvideos bis hin zu Online-Videotheken und Angeboten der Fernsehsender im Netz benötigt man wirklich nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, das alles bequem von der Couch aus auf einem großen Flachbildfernseher anzusehen.

So wie bei iPad und anderen Media-Tablets bietet sich bei der Internetnutzung am Fernseher vor allem die Nutzung zu Unterhaltungszwecken an. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass sich immer mehr Nutzer fragen werden, wozu sie noch Fernsehsender benötigen.

Kommentare

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