VDSL: Alice greift über den Preis an
HanseNet nimmt einen neuen Anlauf bei VDSL: Ab dem 2. September vermarktet das Unternehmen unter seiner Marke Alice VDSL-Anschlüsse mit bis zu 50 MBit/s im Downstream und bis zu 10 MBit/s im Upstream. Im Gegensatz zum ersten Versuch kommt nicht das VDSL-Netz der Telekom zum Einsatz, sondern das Netz von Telefónica.
Der erste Versuch des Telekommunikationsunternehmens HanseNet, VDSL-Anschlüsse unter seiner Marke Alice anzubieten, scheiterte letztes Jahr. Damals sollten die High-Speed-Internetanschlüsse über das VDSL-Netz des Konkurrenten Deutsche Telekom realisiert werden. Inzwischen ist die Übernahme durch den spanischen Telekommunikations-Konzern Telefónica jedoch abgeschlossen und HanseNet eine 100%ige Tochter von Telefónica O2 Germany. Frustrierte Interessenten von damals haben also einen guten Grund, es noch einmal zu versuchen. Zudem wäre ein zweiter Fehlschlag äußerst schlecht für das Image, jetzt muss es klappen!
HanseNet wird das neue Alice Speed ab dem 2. September anbieten. Auf ein "kleines" VDSL-Paket, wie es die Deutsche Telekom mit VDSL 25 anbietet, verzichtet der Internetanbieter zumindest vorerst. Bis zu 50 MBit/s im Downstream und bis zu 10 MBit/s im Upstream ermöglicht ein Alice Speed-Paket, differenziert wird nur beim Service, nicht beim Preis. Allerdings ist ein Alice Speed-VDSL-Anschluss auch billiger. Der reguläre Preis von Alice Fun Speed beträgt 39,90 Euro im Monat, für Alice Comfort Speed werden 49,90 Euro monatlich fällig. Der Unterschied bei Alice Comfort Speed liegt allein in der Servicequalität: kostenlose Hotline, Expertenhilfe am Telefon und (vermutlich am wichtigsten) eine garantierte Entstörung innerhalb von acht Stunden, wenn der Internetanschluss einmal nicht funktionieren sollte.
Zum Start der Vermarktung von Alice Speed werden die beiden VDSL-Pakete zu einem aggressiven Preis angeboten: Alice Fun Speed kostet nur 29,90 Euro monatlich, Alice Comfort Speed 39,90 Euro. Zu diesem sehr niedrigen Preis können die VDSL-Anschlüsse bis zum 31. Oktober bestellt werden. Aktionspreise sind nicht ungewöhnlich in der Branche, doch besonders billig ist es meistens nur während der ersten Monate oder der Mindestvertragslaufzeit. Anschließend gelten üblicherweise die höheren Monatsraten. Wie HanseNet in der Presseinfo schreibt, gelten diese VDSL-Preise aber "dauerhaft, während der gesamten Vertragslaufzeit".
Letztlich ist das vernünftig, denn durch Angebote (nicht nur im Bereich Telekommunikation), die nur am Anfang attraktiv sind, werden die Kunden zum ständigen Anbieterwechsel erzogen. Dabei ist es kein Marketinggeheimnis, dass es viel weniger Geld kostet, einen Kunden zu halten als einen neuen Kunden zu gewinnen.
Die Pakete mit den VDSL-Anschlüssen entsprechen vom Leistungsumfang den Paketen mit herkömmlichen DSL-Anschlüssen, der Unterschied liegt nur in den höheren Bandbreiten. Eine lange vertragliche Bindung ist deshalb nicht erforderlich, die Alice Speed-Produkte sind mit und ohne Mindestvertragslaufzeit erhältlich. Neukunden sparen allerdings die recht hohen Anschlusskosten in Höhe von 99,90 Euro, wenn sie sich für zwei Jahre auf einen VDSL-Anschluss von Alice festlegen. Bestandskunden müssen die 99,90 Euro aber in jedem Fall zahlen, wenn sie von einem Alice DSL-Anschluss zu einem Alice VDSL-Anschluss wechseln wollen. Möchte man später von VDSL zurück zu DSL, kostet das allerdings nur 59,90 Euro. Werden da richtigen Anreize gesetzt?
Vorschnell sollte sich man sich allerdings nicht über seinen neuen VDSL-Anschluss freuen, denn wie bei allen Telekommunikationsunternehmen ist VDSL nur in ausgewählten Gebieten verfügbar. Etwa jeder zehnte Haushalt in Deutschland erfüllt die Voraussetzungen, um ein Alice Speed-Produkt zu buchen, heißt es seitens HanseNet.
Interessant an den neuen VDSL-Anschlüssen von Alice ist neben den niedrigen Preisen die fehlende Mindestvertragslaufzeit. Im Vergleich zu den meisten Internetanschlüssen der Kabelnetzbetreiber ist die hohe Bandbreite von bis zu 10 MBit/s im Upstream von Vorteil. Beim Downstream bieten manche Kabelnetzbetreiber zwar schon bis zu 128 MBit/s, doch im Upstream geizen sie mit der Bandbreite. Der größte Anbieter im Markt, Kabel Deutschland, bietet derzeit maximal bis zu 6 MBit/s im Upstream, beim zweitgrößten Kabelanbieter Unitymedia sind es 5 MBit/s, bei Kabel BW sogar nur 2,5 MBit/s. Von Vorteil ist eine hohe Upload-Geschwindigkeit zum Beispiel bei der Nutzung einer virtuellen Festplatte im Netz, wie HanseNet sie mit dem Produkt Alice Smart Disk anbietet.
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