Die Hälfte aller neuen Fernseher ist internetfähig
Die Möglichkeit, am Fernseher das Internet zu nutzen, entwickelt sich zum Standardmerkmal. Dieses Jahr wird bereits jeder zweite verkaufte Fernseher ein Hybrid-TV-Gerät sein. Das Nutzerinteresse ist hoch.
Am PC gehört der Internetzugang schon lange zum Standard. Dank des Booms bei Smartphones entwickelt sich die mobile Internetnutzung gerade zu einem alltäglichen Verhalten. Durch das enorme Interesse an Tablet-Computern dringt das Internet noch tiefer in den Alltag ein.
Anders als das Hype-Thema Media-Tablets findet eine andere, vielleicht wesentlich bedeutendere Entwicklung nur relativ wenig öffentliche Beachtung, obwohl das Interesse der Menschen sehr groß ist: das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet. Anfang 2009 berichteten wir über erste Fernseher, die "aus eigener Kraft" (also ohne Set-Top-Box) Internetinhalte darstellen können. Für reine Freude sorgten diese ersten Modelle nicht, doch es hat sich viel getan.
5 Millionen Hybrid-TV-Geräte in 2011
Nicht zuletzt entwickelte sich die Internetfähigkeit bei Flachbildfernsehern von einem besonderen und seltenen zu einem ganz gewöhnlichen Leistungsmerkmal. In diesem Jahr wird schon jeder zweite neue Fernseher ein solches Hybrid-TV-Gerät sein, glaubt man beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM). 5 Millionen Fernseher mit Anschlussmöglichkeit ans Internet kommen dieses Jahr neu in die deutschen Wohnzimmer, wird angenommen.
"Durch die hohe Marktdurchdringung von Hybrid-Geräten werden Internet und Fernsehen endgültig verschmelzen. Der Web-Anschluss wird zum Standard-Feature bei modernen Fernsehern", sagt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Sehr viele Menschen werden also bald über die technische Möglichkeit verfügen, von der Couch aus Online-Inhalte auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer anzusehen. Keine Frage, interessant sind in diesem Zusammenhang vor allem Bewegtbildinhalte. Schon jetzt schaut jeder zweite Internetnutzer in Deutschland Online-Videos.
Noch sind es vor allem kurze Videoclips, die auf Interesse stoßen. Erst (andererseits: schon) jeder sechste Internetnutzer sieht sich Fernsehsendungen im Netz an, jeder achte User schaut Filme via Stream oder Download. Live-Übertragungen über das Internet werden immerhin schon von jedem zehnten Onliner angeschaut. Selbst eine Kombination von großem Computermonitor und besonders komfortablem Stuhl davor bietet keine besonders attraktive Alternative zum Fernsehen auf dem Sofa. Kommen die Online-Videos jedoch auf den Fernseher, davon bin ich fest überzeugt, werden sehr viele Menschen von dort aus TV-Inhalte aller Art in normaler Länge gucken.
Es liegt im Interesse von Inhalteproduzenten und -anbietern, mit aller Kraft den Ausbau legaler Videoportale zu fördern, bevor sich viele Zuschauer daran gewöhnen, illegale Quellen am Fernseher zu nutzen. Obwohl das Angebot noch weit hinter den Nutzerwünschen zurückbleibt ist anzuerkennen, dass sich bei den legalen Bewegtbildangeboten in den letzten Jahren viel getan hat. Die Mediatheken und Videoportale der Fernsehsender etwa sind schon erstaunlich gut gefüllt. Onlinevideotheken und andere Video-on-Demand-Angebote wachsen.
Nachrüstung mit hybrider Set-Top-Box möglich
Wer einen Flachbildfernseher ohne Anschlussmöglichkeit ans Internet besitzt, kann diesen über eine hybride Set-Top-Box auf einfache und recht günstige Weise nachrüsten. Zum Teil ist in diese Boxen eine Festplatte integriert, sodass die hybride Set-Top-Box einen Videorekorder ersetzen kann. Übrigens bringen auch einige Blu-ray-Player den Fernseher ins Netz. Wer also einen relativ neuen Flachbildfernseher, aber noch keinen Blu-ray-Player besitzt, sollte vor dessen Anschaffung die Internetfähigkeiten unter die Lupe nehmen.
Mit dem Fernseher online gehen konnte man bereits zu Zeiten von BTX, also lange vor Erfindung des World Wide Webs, doch in der Vergangenheit hielt sich das Verbraucherinteresse in engen Grenzen. Das ist jetzt anders, denn den BITKOM-Angaben zufolge möchten 46 Prozent der Menschen hierzulande ihren Fernseher ans Internet anschließen. In der Altersgruppe zwischen 14 und 26 Jahren sind es in Deutschland sogar 60 Prozent, in den USA 74 Prozent und in Großbritannien 77 Prozent.
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