Studie zu IPTV – flexible TV-Nutzung als Vorteil
Bisher ist Internet Protocol Television (IPTV) in Deutschland kaum verbreitet, aber die Vorteile dieses Empfangswegs könnten noch viele Fernsehzuschauer überzeugen. Das lässt sich aus den Ergebnissen einer von der Telekom in Auftrag gegebenen Studie schließen.
Wird sich IPTV auf absehbare Zeit durchsetzen? Bisher hält sich die Nachfrage der deutschen Fernsehzuschauer ziemlich in Grenzen, erst 3 Prozent haben sich für diesen Empfangsweg für TV-Signale entschieden. Man könnte also skeptisch sein, was die Zukunftschancen angeht. Die von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Telekom, mit Entertain IPTV-Marktführer, durchgeführte Untersuchung für die neue Ausgabe des "Life Report" weckt allerdings Hoffnungen.
11 Prozent derjenigen, die auf anderem Wege fernsehen, können sich einen Umstieg auf IPTV umstellen. Das klingt nach wenig, aber auf alle TV-Nutzer in Deutschland hochgerechnet sind das eine ganze Menge Menschen. Schon jetzt legt IPTV stärker als alle anderen Empfangsarten zu. Bestimmt wäre das Interesse deutlich größer, wenn die Fernsehzuschauer allgemein besser über dieses Thema informiert wären.
Zuschauern fehlt Wissen
Im "LIFE Report" betont man den positiven Trend: "Auch das Wissen über diese noch relativ junge Empfangsart verbreitet sich derzeit immer weiter", heißt es dort. "Vor allem bei jüngeren Befragten (14-29 Jahre) weiß mehr als jeder Zweite (55%), was die Abkürzung IPTV bedeutet. Vier von fünf Deutschen (84%) ist bekannt, dass man über das Internet fernsehen kann, auch wenn die Abkürzung IPTV noch nicht allen geläufig ist." Im Osten Deutschlands (in der Studie wird Deutschland in Norden, Süden, Osten und Westen eingeteilt, es geht also nicht um alte und neue Bundesländer!) vermutete jeder Fünfte dahinter einen neuartigen Computervirus. Genutzt wird IPTV bisher deutlich stärker von Männern als von Frauen.
Zeitunabhängige TV-Nutzung
Als Besonderes Plus von IPTV wird dessen Flexibiliät hervorgehoben, wobei hierbei das größte Interesse von Familien mit Kindern kommt. "Sie schätzen es, dank zeitversetztem Fernsehen nicht auf feste Sendezeiten angewiesen zu sein, sondern dann fernzusehen, wenn der Zeitplan zwischen Kinder-zu-Bett-Bringen und Tätigkeiten im Haushalt es zulässt", schreibt die Telekom im Pressetext.
Ebenfalls sehr von den flexiblen Nutzungsmöglichkeiten angesprochen fühlen sich Berufstätige. Dazu passt, dass der Anteil der IPTV-Nutzer unter Berufstätigen, die nach 20 Uhr noch arbeiten müssen, mit 6 Prozent doppelt so hoch wie im Durchschnitt ist. Mit Blick auf die eigene Plattform Entertain nennt das Unternehmen die Möglichkeit, im laufenden Programm jederzeit kurz anhalten und dann genau dort weitergucken zu können sowie die Aufnahmeprogrammierung von unterwegs von einem Smartphone oder einem mit dem Internet verbundenen PC aus als besondere Stärken von IPTV.
Bei Bedarf das Programm unterbrechen und trotzdem nichts versäumen
Sogar auf die Beziehung mit dem Partner zu Hause soll es sich positiv auswirken, denn laut "LIFE Report" führen IPTV-Nutzer harmonischere Beziehungen. Nahezu zwei von drei unterbrechen demnach das TV-Programm, um sich ihrem Partner zuzuwenden, im Durchschnitt aller Empfangswege ist es nur jeder zweite. 60 Prozent der Männer in IPTV-Haushalten unterbrechen ihren Fernsehkonsum sogar für Hausarbeit, während dies im Durchschnitt nur 47 Prozent tun. Ebenfalls höher ist hier der Anteil von Männern, die sich um ihre Kinder kümmern, während sie eigentlich gerade fernsehen.
Wer das TV-Programm jederzeit unterbrechen und fortsetzen kann, ohne zwischendurch etwas zu versäumen, ist eher bereit, sich auf Störungen einzulassen. Ob das letztlich wirklich der Entspannung zugute kommt, ist eine andere Frage. Von Vorteil ist, sich im eigenen Tagesablauf nicht nicht mehr nach dem Fernsehprogramm richten zu müssen (wobei viele Menschen ja ihrem Alltag gerade dadurch eine Struktur verleihen). Mehr als jeder dritte Umfrageteilnehmer (34 Prozent) hält sich für seine Lieblingssendung den Abend frei und verzichtet damit auch auf andere Aktivitäten, 16 Prozent lassen das Telefon klingeln und nehmen nicht ab.
Mit zeitversetztem Fernsehen muss das TV-Programm weder Verabredungen mit Freunden noch der telefonischen Erreichbarkeit im Wege stehen. "Auch falls man nicht alleine fernsieht und sich mit dem Partner oder in der Familie über das Programm nicht einig wird, bietet Entertain die streitschlichtende Lösung. Man schaut eine Sendung im laufenden TV-Programm und zeichnet im Hintergrund eine andere auf", schreibt die Telekom.
Ein Blick in den "LIFE Report" mit dem Titel "Fernsehen, wie ich es will", der als PDF kostenlos zum Download zur Verfügung steht, lohnt sich. Dort sind ansprechend aufbereitet noch weit mehr als die hier genannten Daten zu finden Die Vorteile von IPTV möchte ich nicht bestreiten, aber abgesehen davon, dass bisher längst nicht jeder Haushalt einen ausreichend schnellen Internetzugang erhalten kann, sollte man einen wichtigen Aspekt nicht übersehen.
Festplattenreceiver und Video-on-Demand
Die genannten Vorteile haben mit dem Empfangsweg nur wenig zu tun: Die flexible Nutzung ist in erster Linie auf den Einsatz eines digitalen Videorekorders bzw. Festplattenreceivers (wie den derzeit für Entertain angebotenen MR 303) zurückzuführen. Ein HD-Festplattenrekorder mit integriertem TV-Empfänger und die Möglichkeit, Video-on-Demand-Inhalte auf den Flachbildfernseher zu holen, sind keine spezifischen Vorteile von IPTV. Kein Wunder also, wenn auch Kabel Deutschland auf die Ergebnisse einer selbst in Auftrag gegebenen Studie bezogen zeitversetztes Fernsehen als wichtigen Trend hervorhebt und sogar ebenfalls positive Auswirkungen auf das Beziehungsleben lobt.
Für zeitversetztes Fernsehen benötigt man weder das Internet noch einen digitalen Kabelanschluss. Schon seit Anfang der 90er Jahre zeichne ich bis auf tagesaktuelle Sendungen wie Nachrichten alles für später auf, damals natürlich noch mit VHS-Rekordern. Ein moderner HD-Festplattenreceiver hebt den individuellen Fernsehkonsum (unabhängig vom gewählten Empfangsweg) jedoch auf ein neues Level.
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