Gute Aussichten für zeitversetztes Fernsehen, VoD, Apps und Internet auf dem Fernseher
Für die kommenden Jahre ist mit starkem Wachstum bei internetfähigen, hybriden Endgeräten zu rechnen, besagt eine IPTV-Studie von goetzpartners. Das Internet verändert die Art, wie der Fernseher genutzt wird, erheblich.
Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung goetzpartners verheißt Inhalten aus dem Internet auf dem Fernseher eine große Zukunft. Bisher hat die wachsende Basis geeigneter Endgeräte einen wichtigen Beitrag zur regelmäßigen und gelegentlichen Nutzung von Bewegtbildinhalten aus dem Netz auf dem Fernsehbildschirm geleistet. Im Vergleich zum Jahr 2008 gab es hierzulande im vergangenen Jahr mit 13,7 Millionen Geräten 54 Prozent mehr dieser hybriden Endgeräte.
Nicht nur Smart TVs sind die Grundlage
Zu diesen hybriden Endgeräte zählt das Beratungsunternehmen nicht allein Smart TVs, die selbst über eine Anschlussmöglichkeit an das Internet verfügen und ohne weitere Hardware Online-Inhalte darstellen können. Hybride Set-Top-Boxen, IPTV-Set-Top-Boxen sowie Next-Generation-Spielkonsolen gehören ebenfalls dazu. Das ergibt Sinn, denn letztlich kommt es ja nur darauf an, welche Inhalte man mit seinem Fernseher nutzen kann, ob dafür ein extra Gerät erforderlich ist oder nicht.
Zu den Profiteuren dieser Entwicklung gehören besonders Video-on-Demand-Services, die 2011 durch "eine direkte Integration in die Portale hybrider Endgeräte" sowie verstärktes Marketing auf 7,1 Prozent regelmäßige Nutzer kommen. Das sind 128 Prozent mehr als 2008. Das Wachstum im Markt für Video-on-Demand (VoD) war also sehr viel größer als das Wachstum bei der Gerätebasis. Generell profitieren Videoinhalte, die via Internet übertragen werden, von der immer mehr Verbrauchern zur Verfügung stehenden Möglichkeit, sich diese Inhalte auf dem Fernseher angucken zu können. Bei dieser repräsentativen Konsumentenbefragung wurden neben Verbrauchern in Deutschland auch solche in Großbritannien und Frankreich befragt. In diesen beiden Ländern werden Online-Inhalte schon deutlich stärker auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer konsumiert.
Chancen für alle Beteiligten
Inhalte-Anbieter ohne eigene Infrastruktur haben in den Over-the-Top- (OTT) Portalen "der hybriden Endgeräte die Möglichkeit, mit ihren abonnement-, transaktions- oder werbebasierten Angeboten eine größere Zielgruppe zu erreichen", heißt es im Pressetext zur Studie zu den Chancen. Web-TV-Inhalte von News-Portalen können hier beispielsweise über eigene Apps ihre Nutzer finden. Wachstum können besonders die Onlinevideotheken erwarten. "Neben den Anbietern nicht-linearer Inhalte sind OTT-Portale auch für lineare Inhalteanbieter attraktiv", sagt Marcus Worbs-Remann, Senior Manager bei goetzpartners und verantwortlich für die Studie. Dafür spreche etwa die Ankündigung von Microsoft, weltweit mit über 40 Anbietern linearer Live-TV- und anderer Unterhaltungsinhalte auf der Spielkonsole Xbox 360 präsent sein zu wollen.
Interessant für Endgerätehersteller ist die Möglichkeit, Einnahmebeteiligungen (zum Beispiel bei Werbung und Abo-Gebühren) mit den OTT-Inhalteanbietern auszuhandeln. "Die Bereitstellung von Frameworks zur Integration von Display- und Videowerbung sowie von Subscriber-Management-Systemen unterstützt die Monetarisierung ihrer Portale", heißt es in der Pressemitteilung ein wenig umständlich zu den Vorteilen, bei Technik und Abrechnung nicht alles selbst machen zu müssen. Zusätzlich zu unverzichtbaren Inhalten, die von vielen Kunden einfach vorausgesetzt werden, können die Hersteller der Geräte sich mit über ihre Hardware verfügbaren speziellen Inhalten für kleinere Zielgruppen von der Konkurrenz abheben. Die Infrastrukturbetreiber haben ebenfalls die Chance, sich an den durch die Anbieter erzielten Einnahmen beteiligen zu lassen.
Was sich ändern muss
Damit sich gutes Geld mit diesen digitalen Inhalten verdienen lässt, müssen sie über eine Vielzahl von Plattformen zugänglich sein. "Das ist jedoch nur dann möglich, wenn sie losgelöst von den proprietären Set-top-Boxen zur Verfügung stehen und auch die Digital Rights Management-Systeme (DRM) ohne dedizierte Hardware in verschiedenen Endgeräten abgebildet werden können", fasst Dr. Alexander Henschel, Managing Director von goetzpartners und Leiter der Industry Line TIME, zusammen.
Hier wird ein Problem angesprochen, das Verbraucher nicht nur abschreckt und verärgert. Zuweilen ist einem als sehr interessierter oder sogar zahlungsbereiter Zuschauer der Zugang zu Inhalten versperrt. Ob man nun vom falschen Hersteller seinen Flachbildfernseher oder ein anderes Endgerät gekauft oder beim falschen Anbieter ein Abo abgeschlossen hat oder ein ähnliches Hindernis besteht, heutzutage steht man noch viel zu oft vor Problemen, als dass es einem als Verbraucher leicht gemacht würde. Das kennt man auch vom linearen Fernsehen: Als Kabelkunde beispielsweise ist man darauf angewiesen, dass TV-Sender überhaupt erst einmal am Wohnort eingespeist werden. Oft ist selbst Jahre nach dem Sendestart nicht abzusehen, wann ein bestimmter Fernsehsender eingespeist wird. Gerade in diesem Bereich könnte sich dank Smart TV allerdings etwas ändern: Internet-Livestreams können auf manchen modernen Flachbildfernsehern schon direkt via App genutzt werden.
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