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Glasfaser: Ist Deutschland zu langsam?

Es gibt kaum Glasfasernaschlüsse in Deutschland. Wo diese technisch möglich sind, interessieren sich nur wenige Verbraucher dafür. Andere europäische Länder sind beim Glasfaserausbau bereits sehr viel weiter.

Der Bedarf an schnellen Internetverbindungen steigt. Auf lange Sicht müssen Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen (Fibre to the Home = FTTH) oder zumindest bis in die Gebäude (Fibre to the Buildung = FTTB) reichen, um den Bandbreitenbedarf zu decken. Bei VDSL-Anschlüssen reicht das Glasfasernetz heute nur bis zu den Kabelverzweigern, den großen grauen Kästen am Straßenrand. Der restliche Weg wird mittels alter Kupferleitungen überbrückt, die nur einen Bruchteil der Bandbreite einer Glasfaserleitung übermitteln können. Trotzdem ist VDSL mit bis zu 50 MBit/s sehr viel schneller als ein herkömmlicher DSL-Anschluss.

Downloads mit 1.000 MBit/s via Glasfaser

Das Rückgrat der DSL-Alternative Kabelinternet bilden ebenfalls Glasfasernetze. Die auf dem letzten Abschnitt zum Kunden eingesetzten Koaxialkabel sind immerhin deutlich leistungsfähiger als die damals nur für Telefonie verlegten Kupferkabel. Deshalb sind vielerorts von den Kabelnetzbetreibern Internetzugänge mit 100 MBit/s verfügbar. Kabel Deutschland nennt 400 MBit/s als theoretisch schon verfügbare Geschwindigkeit. FTTH kann mehr: Die Deutsche Telekom nannte letztes Jahr 1.000 MBit/s im Downstream (Daten empfangen) und 500 MBit/s im Upstream (Daten senden) als mit der aktuellen Technologie möglich.

Nur 0,4 Prozent der deutschen Haushalte verfügen bereits über einen FTTH- oder FTTB-Anschluss, das sind 166.000 Haushalte. Diese von IDATE ermittelten Zahlen nannte vor kurzem das FTTH Council Europe. Versorgt werden könnten dagegen schon 1 Million Haushalte mit Glasfaseranschlüssen. Wo FTTH verfügbar ist, hat sich erst jeder sechste Haushalt dafür entschieden. Das FTTH Council Europe führt die geringe Akzeptanz einerseits auf die langen Mindestvertragslaufzeiten von bis zu 24 Monaten zurück.  "Aber auch die fehlende – oder schlechte – Marketing- und Kommunikations-strategie in Bezug auf den Endanwender tragen zur geringen Verbreitung bei", heißt es im Pressetext.

Deutschland im Rückstand

Sehr hohe Übertragungsraten bei hoher Qualität könne aber nur ein Glasfaseranschluss bieten. Möglich werden sollen zudem neue Angebote im Bereich Home-Entertainment, aber auch bei Pflege und Gesundheitsversorgung. Angesichts der Bedeutung von Highspeed-Internet als Standortfaktor für die Wirtschaft wird die deutsche Zurückhaltung kritisiert. Politiker, Netzbetreiber und Organisationen würden hierzulande noch über die Bedeutung von Glasfasernetzen diskutieren, während in anderen Ländern der Ausbau schon viel weiter sei. In Norwegen, Schweden und Litauen verfügt schon jeder zehnte Haushalt über FTTH oder FTTB. Frankreich, die Niederlande, Russland und die Türkei liegen bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen ebenfalls vor Deutschland.

"Es muss sich erst noch erweisen, ob das Jahr 2012 den Wendepunkt bei der FTTH-Positionierung Deutschland markiert", sagt Prof. Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe. "Ein großes Land wie Deutschland darf sich nicht so viel Zeit lassen. Es müssen nun endlich die Weichen für eine zukunftssichere Kommunikation gestellt werden – ganz besonders, wenn Deutschland seine Rolle als Lokomotive der europäischen Wirtschaft behalten will."

Zumindest findet nächsten Monat die diesjährige FTTH Konferenz erstmals in Deutschland statt (14. bis 16. Februar, International Congress Centre Munich). Die unter dem Motto "Creating a Brighter Future" stehende Veranstaltung wird das Thema Glasfaserausbau vielleicht ein wenig stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Wie schnell ist Euer Internetanschluss - welche Bandbreite wünscht Ihr Euch?





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