Unitymedia: Netzausbau in Korbach verzögert sich weiter
9. January 2012 - 09:00 UhrDie Anwohner der hessischen Kreisstadt Korbach müssen allem Anschein nach noch bis zum Sommer dieses Jahres auf die Highspeed-Internetzugänge Unitymedias verzichten. Wollte das Unternehmen die Modernisierungsarbeiten ursprünglich schon Anfang 2011 abgeschlossen haben, so haben verschiedene Zwischenfälle die Fertigstellung immer weiter verzögert. Für die Korbacher ist dies umso ärgerlicher, als dass es dort teilweise keine leistungsstarken Alternativen zu Kabel-Internet gibt.
Neben den Privathaushalten zeigt sich auch die Wirtschaft betroffen. So zog der ortsansässige, weltweit agierende Prüf- und Messtechnikhersteller Kocos zwischenzeitlich öffentlich einen Standortwechsel in Betracht. Inzwischen stellt Unitymedia die Fertigstellung des Netzausbaus für Mitte 2012 in Aussicht.
Der aktuelle Stand
Tatsächlich kann das Unternehmen schon auf beachtliche Fortschritte bei der Modernisierung des örtlichen Kabelnetzes verweisen. In einer aktuellen Pressemitteilung gibt der Kabelnetzbetreiber an, bereits über eine halbe Million Euro in die Baumaßnahmen investiert zu haben. So sei bereits die Technikzentrale im rund 35 km entfernten Bad Wildungen fertiggestellt und die Tiefbauarbeiten zum Anschluss der benachbarten Ortschaft Goldhausen abgeschlossen. Auch der Netzknoten in Korbach ist bereits im Bau. Dieser kann jedoch erst in Betrieb genommen werden, wenn alle umliegenden Ortschaften angeschlossen sind.
Gründe für die Verzögerung beim Ausbau gibt es mehrere. So gibt Unitymedia einerseits an, dass es bei den Vertragsverhandlungen zur Anmietung von Glasfaserstrecken zu Verzögerungen kam. Damit Telekommunikationsunternehmen nicht unnötig hohe Summen für das Verlegen neuer Leitungen aufbringen müssen, ist es üblich bestehende Leitungen der Konkurrenz gegen eine Gebühr mit zu nutzen. Um eben eine solche Anmietung scheint Unitymedia derzeit mit einem Mitbewerber zu verhandeln. Da aber eine Vermietung der bestehenden Leitungen letztlich im wirtschaftlichen Interesse beider Parteien ist, sollte man diese Erklärung nicht überbewerten.
Von größerer Bedeutung für den Netzausbau in Korbach sind dabei höchstwahrscheinlich parallel laufende Baumaßnahmen. So kann Unitymedia einige Baumaßnahmen erst dann beginnen, wenn der derzeit laufende Wasserleitungsbau in den Ortschaften Dorfitter und Thalitter abgeschlossen ist. Die Fertigstellung dieser Arbeiten wurde auf Mitte 2012 verlegt, sodass Unitymedia hierfür letztlich keine Verantwortung trägt. Tatsächlich werden vereinzelt Stimmen laut, die den Lokalpolitikern hier gewisse Versäumnisse vorwerfen.
Bedarf bei Wirtschaft und Anwohnern
Derweil hat sich auch das aus Korbach stammende Hightech-Unternehmen Kocos öffentlich zu der Problematik geäußert. So sei die Internetanbindung an keinem der weltweit verteilten Firmenstandorte so langsam wie am Korbacher Stammsitz, welcher nur über eine 3 Mbit/s schnelle Anbindung verfüge. Da diese Geschwindigkeit je nach Internetnutzung bereits für Privathaushalte zu gering sein kann, liegt es auf der Hand, dass ein großes, hochtechnologisiertes Unternehmen eine weitaus größere Bandbreite benötigt. Beispielhaft verweist Vorstandsvorsitzender Thomas Becker diesbezüglich auf Videotelefonie, welche mindestens 16 Mbit/s benötige und einige Flugreisen überflüssig machen würde. Inzwischen hat die Stadt reagiert und dem Unternehmen den Abschluss des Netzausbaus für die absehbare Zukunft in Aussicht gestellt.
Auch für Privathaushalte verspricht der Netzausbau einen enormen Mehrwert. So will Unitymedia in Zukunft über 14.000 Haushalte im Raum Korbach mit bis zu 128 Mbit/s schnellem Internet versorgen. Die Geschwindigkeitssteigerung gegenüber den bisher verfügbaren Anschlussmöglichkeiten wäre hierbei enorm. In einigen Ortsteilen Korbachs ist derzeit noch UMTS die einzige Möglichkeit, um mit mehr als ISDN-Geschwindigkeit online zu sein. Neben 128 Mbit/s schnellen Highspeed-Internet bietet Unitymedia auch Zugänge mit Geschwindigkeiten von 64, 32 oder 16 Mbit/s an, wahlweise in Verbindung mit Telefonanschlüssen und -Flatrates sowie Fernsehangeboten.



