Verkauft: Tele Columbus geht an Kabel Deutschland
21. May 2012 - 15:42 UhrMehr als 600 Millionen Euro lässt sich Kabel Deutschland die Übernahme von Tele Columbus kosten. Die Übernahme des Kabelnetzbetreibers mit Hauptsitz in Berlin war bereits letzte Woche im Gespräch, heute gaben die beiden Unternehmen die Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrags bekannt.
Der Geschäftsbetrieb sowie sämtliche Beteiligungen der Tele Columbus Gruppe gehen zum Kaufpreis von 603 Millionen Euro zuzüglich aufgelaufener Zinsen an Kabel Deutschland. "Zum Zeitpunkt 31. Dezember 2011 hätte dies insgesamt einem Betrag von 618 Mio. Euro entsprochen", heißt es dazu im Pressetext von Kabel Deutschland. Dabei werden sämtliche Schulden von Tele Columbus, die sich auf rund 600 Millionen Euro belaufen, getilgt. So groß die Schuldenlast war - im operativen Geschäft wurden Gewinne erzielt: 2011 waren es 81 Millionen Euro bei Umsätzen in Höhe von 218 Millionen Euro.
1,7 Millionen Kunden
Mit den 1,7 Millionen Kunden in 2,1 Millionen angeschlossenen Haushalten wird also schon Geld verdient - in Zukunft vermutlich noch mehr, denn durch die Übernahme soll die Trennung der Netzebenen weitgehend aufgehoben werden. Konkret bedeutet das: In vielen Gebieten, in denen Tele Columbus auf Netzebene 4 direkt die Haushalte über seine Hausverteilnetze und Hausübergabepunkte versorgt, betreibt Kabel Deutschland auf Netzebene 3 das eigentliche Verteilnetz inklusive Kabelkopfstationen.
"Nach erfolgreichem Abschluss der Akquisition werden die meisten Kunden von Tele Columbus dadurch erstmals die Hochgeschwindigkeits-Internetangebote und die neuen TV-Dienste von Kabel Deutschland beziehen können", schreibt Kabel Deutschland und argumentiert, dass damit der Wettbewerb bei schnellen Internetverbindungen gestärkt werde (Kabelinternet als Alternative zu DSL und VDSL). Diese Argumentation ist aber ein wenig schief, denn schnelles Internet über den Kabelanschluss bietet Tele Columbus vielen seiner Haushalte bisher schon. Die Internet- und Telefonprodukte von Tele Columbus ähneln denen von Kabel Deutschland.
Aufhebung der Trennung der Netzebenen 3 und 4
Es liegt allerdings auf der Hand, dass Kosten gespart werden, wenn die Netzebenen 3 und 4 in einer Hand liegen. "Wir freuen uns sehr über diese Vereinbarung", erläutert Ronny Verhelst, CEO der Tele Columbus-Gruppe. "Unser geplanter Zusammenschluss mit Kabel Deutschland ist ein weiterer Schritt zur Überwindung der ineffizienten unterschiedlichen Netzebenen der deutschen Kabelnetzinfrastruktur, die international einzigartig und nur aus den Monopolregulierungen zu erklären war. Er wird es uns ermöglichen, die Breitbandversorgung signifikant zu verbessern sowie neue und noch bessere Produkte anzubieten und so für unsere Kunden einen spürbaren Mehrwert zu schaffen."
Frank Posnanski, CFO von Tele Columbus, ergänzt: "Gezielt haben wir uns nach umfangreichen Gesprächen und sorgfältiger Vorbereitung für Kabel Deutschland als strategischen Partner entschieden. Aufgrund seines hervorragenden Produktportfolios, komplementärer Netzstrukturen und seiner Finanzkraft ist dieser Anbieter für die zukünftige Zusammenarbeit besonders geeignet und bietet uns auch langfristig beste Perspektiven."
Mit welchen Zugeständnissen an das Bundeskartellamt ist zu rechnen?
Dafür muss allerdings das Bundeskartellamt noch grünes Licht geben. Mit einer Entscheidung wird aber erst gegen Ende des Jahres gerechnet. Falls eine Genehmigung des Kaufs erfolgt, wird diese voraussichtlich mit erheblichen Zugeständnissen seitens Kabel Deutschland verbunden sein. Mit Blick auf die im vorigen Jahr abgeschlossene Übernahme von Kabel BW durch Liberty Global, wozu bereits Unitymedia gehörte, liegt es nahe, dass die Grundverschlüsselung privater digitaler TV-Sender aufgegeben werden könnte. Derzeit verschlüsselt Kabel Deutschland bis auf die die öffentlich-rechtlichen Programme sämtliche digitalen Sender, was für die Kunden verschiedene Nachteile mit sich bringt.
Ein weiteres Zugeständnis könnte darin liegen, auf von Wohnungsbaugesellschaften zugesicherte Exklusivität bei der Versorgung mit Fernsehprogrammen aufzugeben. Da die Deutsche Telekom inzwischen wieder in das Kabelgeschäft eingestiegen ist, könnte hier tatsächlich eine Wettbewerbssituation entstehen. Dieser Wettbewerb könnte den Verbrauchern mehr nützen als eine Trennung von Netzebenen in den Kabelnetzen. Eine Wahl zwischen verschiedenen Kabelnetzbetreibern haben die Kunden schließlich nicht. Sich hier für die Konkurrenz zu öffnen, wäre ebenfalls eine Möglichkeit, den Wettbewerb zu fördern. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass es dazu kommt.
Foto links oben: Tele Columbus (Zentrale in Berlin)


