Hoffnung für N24


Für den Fernsehsender N24 könnte es eine Zukunft als echter Nachrichtensender geben. Der Geschäftsführer Torsten Rossmann plant einen Kauf von N24 und der Produktionsfirma Maz & More, bei dem ihn unter anderem der frühere „Spiegel“-Chef Stefan Aust unterstützen möchten. Entscheidend wäre dabei aber ein Zuliefervertrag für die restlichen Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe.

„Der Vorstand prüft jetzt konkret, den Sender zu verkaufen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschieden, mein unternehmerisches Interesse an N24 deutlich zu machen“, sagte Rossmann in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel (Ausgabe vom 13. Januar). An der Gründung einer gemeinsamen Beteiligungsgesellschaft, die N24 übernehmen könnte, möchten sich neben Rossmanns Co-Geschäftsführern außerdem Stefan Aust und Thorsten Pollfuß beteiligen, allerdings nicht über die agenda media GmbH von Aust und Pollfuß, sondern „als Privatpersonen“.

Besonders die Person Stefan Aust, der lange Zeit Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Spiegel war und Spiegel TV leitete, sorgt allgemein für großes Interesse. Dazu Rossmann, der in dem neuen Unternehmen die operative Führung übernehmen würde: „Stefan Aust ist ein ausgewiesener Journalist, mit enormer Erfahrung nicht nur im Print-, sondern auch im Fernsehbereich. Er verfügt über exzellente Kontakte und könnte in der weiteren Planung an der Entwicklung von Formaten und Konzepten für den TV-Markt mitwirken.“ Nicht zuletzt steht das Interesse von Stefan Aust an journalistischen Inhalten außer Zweifel, man glaubt ihm, dass er in N24 nicht bloß ein Investment sieht, dass man nach einer Radikalkur gewinnbringend an den nächsten Käufer weiterreichen könnte.

Um Sparmaßnahmen würde der Nachrichtensender dennoch nicht herumkommen, denn es sind die Verluste, die ProSiebenSat.1-Chef Ebeling im November dazu brachten, öffentlich Überlegungen von massiven Einsparungen bis hin zum Verkauf des Senders zu äußern. Ob eine Kürzung bei Nachrichten und ein Ausbau bei Dokumentationen für die Fernsehzuschauer wirklich so schlimm wären, sei dahingestellt. Besonders aus der Politik wurde Ebeling jedenfalls heftig kritisiert.

Der N24-Chef möchte nicht alleine den Nachrichtensender, sondern außerdem die zugehörige Produktionsfirma Maz & More erwerben, die unter anderem das Sat.1-Frühstücksfernsehen produziert. Ganz losgelöst werden vom Konzern ProSiebenSat.1 soll N24 nach den Plänen nämlich nicht, die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe müssten weiter von N24 ihre Nachrichten einkaufen: „Für uns wäre die Beauftragung des Senders mit der Nachrichtenproduktion eine wesentliche Voraussetzung für unser Geschäftsmodell“, betonte Rossmann, aber es stehe fest, dass „die Kosten sinken sollen“, ob ein Verkauf erfolge oder nicht. „Hierin liegt die Herausforderung“, so Rossmann laut Presseinfo des Tagesspiegel.

Derzeit arbeiten ca. 240 Menschen für N24. „Aus meiner Sicht“, sagte Rossmann, „wird so gut wie jedes Konzept für die Fortführung von N24 auf dem Betrag aufsetzen, den ProSiebenSat.1 für Nachrichten zahlt.“ Das gelte für alle möglichen Käufer. „Je nachdem wie groß der Betrag künftig noch sein wird, muss N24 restrukturiert werden.“ Er gehe davon aus, dass ProSiebenSat.1 weiterhin Interesse daran habe, „vorzeigbare und wettbewerbsfähige Nachrichten im Programm zu haben.“ Für jeden Produzenten läge dort die Herausforderung. „Wir glauben, dass wir das besser hinkriegen als jeder andere Käufer“, sagte Rossmann.

Die Pläne des N24-Chefs klingen sehr ambitioniert, obwohl die Aussagen Ebelings im Interview mit dem Tagesspiegel überzeugend wirken. Für diese Lösung spricht, dass sich ProSiebenSat.1 ohne großen Gesichtsverlust von N24 trennen könnte. Ein Verkauf an Nachrichtenprofis kommt in der Öffentlichkeit und besonders bei Landesmedienanstalten und Politikern gewiss besser an als ein Verkauf an Finanzinvestoren oder gar das Eindampfen auf ein Nachrichten-Sparprogramm.

ProSiebenSat.1 könnte seine TV-Kanäle weiter mit Nachrichtenformaten von N24 versorgen, müsste dafür aber weniger bezahlen. Genau darum geht es ja. Komplett aus dem Programm nehmen kann der Konzern Nachrichteninhalte nicht, von irgendwem müssten die Inhalte also sowieso gekauft werden. Verantwortlich für Budgetkürzungen und Entlassungen wären die neuen Eigentümer. Thomas Ebeling von ProSiebenSat.1 scheint diesem Plan nach Äußerungen in der FAZ etwas abgewinnen zu können und bezeichnet einen über mehrere Jahre laufenden Liefertrag für Nachrichten als denkbar.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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