Verbraucherzentrale NRW verlangt von Unitymedia mehr HD-Sender

Unitymedia Logo: Unitymedia KabelBW
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Ungewöhnlich deutlich üben Verbraucherschützer in Nordrhein-Westfalen Kritik an Unitymedia. Nach Ansicht der Verbraucherzenrtrale NRW wird der Streit zwischen dem Kabelnetzbetreiber und den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern um Einspeisegebühren auf dem Rücken der Kunden ausgetragen.

Kritik von Verbraucherschützern sind die deutschen Kabelnetzbetreiber gewohnt, aber die jüngste Kritik der Verbraucherzentrale NRW geht über das übliche Maß hinaus. „Kunden von Unitymedia, die in diesen Wochen nicht nur Fußball-WM gucken wollen, sind derzeit die Verlierer im Streit zwischen den Kabelnetzbetreibern und den öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten um die Einspeisungsentgelte<<, beginnt die aktuelle Pressemitteilung.

Konkret wird bemängelt, dass das Unternehmen nur drei der 19 HDTV-Programme von ARD und ZDF einspeist: Das Erste HD, ZDF HD und ARTE HD. Das liegt nicht an einem mangelnden Interesse seitens der Zuschauer, sondern daran, dass es zwischen den großen Kabelnetzbetreibern und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten seit 2012 einen Streit um Einspeisegebühren gibt. ARD und ZDF weigern sich seither,  die früher üblichen rund 60 Millionen Euro im Jahr für die Verbreitung ihrer Programme in den Kabelnetzen zu entrichten.

Die Kabelnetzbetreiber argumentieren hier stets, dass ARD und ZDF für die Verbreitung via Satellit und DVB-T viel Geld ausgeben, aber ausgerechnet für die Kabelverbreitung nichts bezahlen wollen. Dem wird in Diskussionen meist entgegengehalten, dass die Kabelunternehmen bereits von ihren Kunden Geld erhalten und sich die Kabelnetzbetreiber doppelt bezahlen lassen wollen.

Analoges Fernsehen nur noch via Kabel

„Zum einen hat das Unternehmen einige beliebte dritte Programme aus dem Analog-Angebot gestrichen“, kritisiert die Verbraucherzentrale NRW. „Zum anderen verbreitet Unitymedia nur einen Bruchteil der HD-Programme von ARD und ZDF in seinem Netz.“ Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass über Satellit und DVB-T überhaupt kein analoger TV-Empfang mehr möglich ist, was nicht zuletzt eine Entscheidung der Sender war. Die Kabelnetzbetreiber erhalten von den Veranstaltern gar keine analogen TV-Signale mehr.

Die Kabelnetzbetreiber müssen die digitalen TV-Signale erst umwandeln, um sie analog in ihre Netze einspeisen zu können, um so die verbleibenden Haushalte mit analogem TV-Empfang versorgen zu können. Das könnte man auch als besonderen Service der Kabelnetzbetreiber loben. Was keiner macht.

Tatsächlich lobt die Verbraucherzentrale NRW jetzt allerdings Kabel Deutschland. Dort will man zwar ebenfalls nicht auf die Einspeiseentgelte verzichten, doch im Frühling wurden elf zusätzliche HD-Sender von ARD und ZDF eingespeist. Daher, mahnen die Verbraucherschützer, sollte sich Unitymedia ein Beispiel an Kabel Deutschland und anderen Kabelnetzbetreibern nehmen und den Kunden ein breites Angebot an frei empfangbaren HD-Programmen machen.

Die Zuschauer haben keine Wahl

Frei empfangbar heißt allerdings nicht kostenlos. Für die HD-Sender von ARD und ZDF muss schließlich die Rundfunkabgabe entrichtet werden. Gegen Aufpreis bietet auch Unitymedia mehr HDTV-Programme, seit Anfang des Monats AXN HD und HISTORY HD hinzugefügt wurden sind es insgesamt 47 HD-Sender. Der Unterschied: Die Buchung der HD-Option und das Abonnieren von Pay-TV-Sendern ist freiwillig, der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF wird zwangsweise gezahlt. Keine Wahl haben meist auch Mieter bei der Frage, ob sie Kabelfernsehen nutzen und dafür bezahlen wollen, denn die Gebühren werden über die Miete abgerechnet – ohne Möglichkeit, darauf zu verzichten.

Der Ärger bei den Zuschauern über fehlende HD-Sender im Kabel ist insofern verständlich: Sie müssen für Programme bezahlen, die sich nicht empfangen können und haben in der Regel nicht mal die Möglichkeit, die Kosten für den TV-Empfangsweg Kabel zu vermeiden.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

1 Kommentar zu Verbraucherzentrale NRW verlangt von Unitymedia mehr HD-Sender

  1. Es ist eine Sauerei,daß Uniteymedia in NRW nur ARD, ZDF und arte in
    HD sendet. In Niedersachsen hat der Wettbewerber KabelDeutschland im
    Sommer 2014 alle öffentlich-rechtlichen Sender (dritte und Sparten-
    programme) in HD eingespeist. Nur Scheiß-Unitymedia ist stur. Leider
    kann ich aus techn. Gründen nicht auf Satelit umstellen, sonst hätte ich es längst getan. Man sollte Unitymedia endlich auch Seiten der
    Politik die rote Karte zeigen!!

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