Digitalisierung der Medien: jetzt die Bücher!

In den letzten Wochen wurde im Zusammenhang mit der CeBIT viel über E-Book-Reader berichtet, einige neue Modelle sind auf den Markt gekommen oder stehen in den Startlöchern. Anlässlich der am 12. März beginnenden Leipziger Buchmesse bleibt das Thema E-Books mit Sicherheit aktuell.

Dieses Jahr planen einer Forsa-Studie im Auftrag des BITKOM zufolge 2,2 Millionen Deutsche den Kauf eines digitalen Buchs. Nicht überraschend: Digitale Bücher sind vor allem für junge Menschen ein Thema, jeder Zwanzigste unter den befragten 14- bis 29-Jährigen hat die Absicht, ein elektronisches Buch zu erwerben. Im Massenmarkt angekommen ist das Thema E-Books damit noch nicht.

„Digitale Bücher vereinen die Stärken des Buchs mit den Vorzügen der digitalen Welt – jeder kann die Inhalte Tausender Bücher bei sich tragen, ohne sich abzuschleppen“, äußert sich BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. „Die Zeiten, in denen man sich vor dem Urlaub für den Reiseführer entscheiden musste, gehören der Vergangenheit an. Jetzt können ganze Bibliotheken eingepackt werden.“

Fraglich ist allerdings, ob man seinen teuren E-Book-Reader so sorglos wie ein billiges Taschenbuch zwischen Handtuch und Sonnencreme im Strandkorb liegen lassen möchte, während man im Meer schwimmt. Sand dürfte den meisten Geräten auch nicht gut bekommen.

Überzeugender erscheint da schon ein anderes Argument: „Mit der Verbreitung preiswerter Netbooks und der neu auf den deutschen Markt kommenden elektronischen Lesegeräte wird die Fangemeinde digitaler Bücher wachsen“, so Berg. Für intensives Arbeiten mögen die kleinen Mobil-Computer weniger geeignet sein, doch die Displays der Netbooks bieten eine für das Lesen am Bildschirm angenehme Größe, womit sie Smartphones, die als Lesegerät für elektronische Bücher ebenfalls an Bedeutung gewinnen, in dieser Hinsicht klar überlegen sind. Die Akkulaufzeiten von Netbooks erlauben zudem durchaus einige Stunden Lektüre am Bildschirm.

Die Erfolgschancen der E-Books stehen laut der Forsa-Studie besonders bei Sachbüchern gut, denn dort stünden die Inhalte im Vordergrund, nicht das haptische Erlebnis. Gerade in kleiner Auflage erscheinende Fachbücher könnten billiger angeboten werden, da die geringen Stückzahlen bisher für hohe Preise sorgen.

„Bei Fachliteratur wird sich das digitale Buch zuerst durchsetzen“, meint BITKOM-Vizepräsident Berg. „In der wissenschaftlichen Arbeit sind elektronische Bücher nicht nur wegen des Preises, sondern auch wegen der Suchfunktion überlegen. Wie in einem Word-Dokument kann nach Stichwörtern gesucht oder können Zitatpassagen wiedergefunden werden.“

Ein weiterer, von den Befürwortern des elektronischen Buchs immer wieder angeführter Vorteil: Im Gegensatz zu Romanen werden viele Fachbücher über die Jahre immer wieder aktualisiert. Für eine kleine Zuzahlung auf die neueste Auflage updaten zu können, dürfte viele Nutzer überzeugen.

Diskussionen über die Zukunft des Buchs werden meist noch leidenschaftlicher geführt als solche über die Zukunft der Zeitungen. Schon das Erlebnis, eine frisch gedruckte Zeitung in den Händen zu halten, sie zu riechen, das Papier zu fühlen, möchten viele nicht missen. Am Ende eines Tages landet jedoch selbst bei den großen Zeitungsfans die durchgelesene Ausgabe im Altpapier. Zeitungen sammeln nur wenige. Dagegen ist es unüblich, ein Buch nach dem Lesen der letzten Seite gleich in die Tonne zu werfen.

In seinem vielbeachteten Buch „The Long Tail“ schreibt Chris Anderson, das Internet absorbiere jede Branche, mit der es in Kontakt kommt. Mit dem Aufkommen der Onlinebuchhändler hat sich in den letzten Jahren schon sehr viel verändert, ist die Zahl der verfügbaren Buchtitel geradezu explodiert. Sollte die Digitalisierung der Medien, wie wir sie bei Fernsehen, Radio und Videos erleben, tatsächlich vor Büchern Halt machen?

Schon bei den Tageszeitungen zeigt sich, dass viele der Digital Natives, die mit im Web verfügbaren Nachrichten aufgewachsen sind, keine so besondere Bindung an die Zeitung als Print-Produkt haben und daher auf gedruckte Exemplare verzichten. Meine persönliche Erwartung ist, dass sich dies bei den Büchern ähnlich entwickeln wird.

Diejenigen, die im Internet das gedruckte Buch heute so vehement verteidigen und sich angeblich nicht vorstellen können, Romane, Gedichte oder ähnlichen Lesestoff auf einem elektronischen Gerät zu lesen, finden es dagegen in der Regel völlig normal, sich ihre Musik in Form von Dateien für ihren MP3-Player zu besorgen.

Videofilme auf DVD sind heute zwar noch sehr beliebt, doch Video on Demand-Dienste wie zum Beispiel Maxdome und nicht zuletzt illegale Wege, sich Filme im Netz zu besorgen, gewinnen stark an Zuspruch. Das Interesse an IPTV wächst ebenfalls stark. Schon deshalb sind die Kabelnetzbetreiber gut damit beraten, ihren Netzausbau voranzutreiben, um über ihre Breitbandnetze neben Digital-TV und Telefonie auch schnelles Internet über den Kabelanschluss anzubieten, Bandbreiten von mehr als 100 MBit/s werden schon in Aussicht gestellt. Fernsehen über das Internet bzw. der Abruf von Videos über das Internet unabhängig von Programmplätzen und Sendezeiten werden bald selbstverständlich sein.

Steigende Bandbreiten, die flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetzugängen und die Kombination bestehender Technologien mit dem Internet wie etwa bei Multimedia-TV-Geräten mit Internetfunktionen, machen das Internet in mehr und mehr Lebensbereichen jeden Tag ein Stück mehr zur Selbstverständlichkeit, sodass sich viele Menschen ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen können.

Wie wahrscheinlich ist es da, dass ausgerechnet Bücher analog und so unvernetzt offline bleiben?

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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