Ein Jahr HDTV-Regelbetrieb bei ARD und ZDF

Vor fast einem Jahr war es so weit: ARD und ZDF starteten am 12. Februar 2010 den HDTV-Regelbetrieb. Das war ein entscheidender Beitrag für den Durchbruch von hochauflösendem Fernsehen im vorigen Jahr. Vielen Zuschauern fehlt es allerdings immer noch am Basiswissen.

„Am 12. Februar um 5.30 Uhr erfolgt der Start des HDTV-Regelprogramms“, kündigte die ARD-Pressestelle damals den Start von Das Erste HD an. Zu speziellen Ereignissen wie der Leichtathletik-Weltmeisterschaft und in einem Showcase rund um die Weihnachtsfeiertage gab es bei ARD und ZDF zwar schon vorher Sendungen in hochauflösender Bildqualität. Mit den Übertragungen von den Olympischen Winterspielen gingen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aber erst vor einem Jahr in den Dauerbetrieb bei HDTV. „Der Regelbetrieb der öffentlich-rechtlichen Sender in HD hat dem hochauflösenden Fernsehen den Durchbruch ermöglicht“, stellte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer fest.

HDTV hat noch einen weiten Weg vor sich

Die beiden Hauptprogramme Das Erste HD und ZDF HD werden inzwischen auch in alle großen Kabelnetze eingespeist, doch arte HD beispielsweise können immer noch nicht alle Kabelhaushalte empfangen. Auf die Einspeisung der großen Privatsender in HD warten die allermeisten Kabelkunden immer noch, ohne dass klar wäre, wie es weitergeht. Dabei gingen RTL HD und VOX HD bereits im Herbst 2009 und SAT.1 HD, ProSieben HD sowie kabel eins HD im Januar 2010 auf Sendung. Der Regelbetrieb der großen Privatkanäle in HD-Auflösung erfolgte also schon früher als bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Bevor hochauflösendes Fernsehen zum allgemeinen Standard wird, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Dafür gibt es allerdings weitere Ursachen.

Ein Mangel an geeigneten Fernsehern herrscht in Deutschland zumindest nicht mehr. Allein im vorigen Jahr wurden hierzulande 9,6 Millionen Flachbildfernseher verkauft, dieses Jahr soll diese Rekordzahl noch einmal übertroffen werden: Der BITKOM geht für 2011 von 9,8 Millionen neuen Flachbildfernsehern aus. Seit Verfügbarkeit der ersten HD-fähigen Flachbildfernseher wurden schon nahezu 30 Millionen für HDTV geeignete TV-Geräte verkauft. „Hochauflösendes Fernsehen hat in Rekordzeit die deutschen Wohnzimmer erobert. HDTV kann schon von einem Drittel der 40 Millionen Haushalte geschaut werden“, so Scheer.

HD-Flachbildfernseher sind weit verbreitet

Die Gerätezahl sagt indes wenig darüber aus, wie viele Haushalte hochauflösendes Fernsehen tatsächlich nutzen. „Viele Zuschauer meinen, dass sie mit einem, HD-ready’-Gerät automatisch Fernsehsendungen in HD-Qualität schauen“, gab Scheer ein Beispiel dafür, dass es vielen Verbrauchern noch an grundlegenden Informationen mangelt. Ohne HD-Receiver gibt es keinen HD-Empfang. Erst in jüngerer Zeit bauen die Hersteller HD-Tuner in ihre Geräte ein, doch diese passen nicht immer zum jeweiligen Empfangsweg. Ein HD-Kabeltuner nützt einem Satelliten-Haushalt beispielsweise nichts. Insofern sind die Angaben der GfK Retail and Technology, wonach 19 der 30 Millionen HD-fähigen Flachbildfernseher ein integrierter HD-Tuner fehlt, nur bedingt aussagekräftig. An alle diese Geräte können jedoch Set-Top-Boxen für den HD-Empfang angeschlossen werden. GfK-Daten zufolge wurden in den letzten Jahren 4,7 Millionen solcher Boxen in Deutschland verkauft.

Was man wissen muss, um HDTV zu sehen

Auf die wichtigsten Fragen zum HDTV-Empfang gibt der BITKOM in seiner heutigen Presseinfo Antworten:

1. Welche Geräte können HD-Bilder anzeigen?
Wer Fernsehen in HD-Qualität schauen möchte, braucht einen Flachbildfernseher oder Beamer, der das 2005 eingeführte „HD ready“-Logo trägt. Das Logo garantiert, dass der Bildschirm mindestens eine Auflösung von 720 Zeilen hat und über einen digitalen Eingang verfügt. Röhrenfernseher können keine hochauflösenden Bilder darstellen und empfangen.

2. Welche Zusatzgeräte werden für den Empfang von HDTV benötigt?
TV-Geräte mit einem HD-ready-Logo können hochauflösende Bilder darstellen. Allerdings ist nicht zwingend auch ein HD-tauglicher Empfänger eingebaut. In jedem Fall kann der HD-ready-Fernseher für HD-Empfang mit dem Kauf einer Set-Top-Box nachgerüstet werden. Diese Box wird dann über ein so genanntes HDMI-Kabel mit dem Fernseher verbunden.

3. Auf welchem Empfangsweg kann man Fernsehen in HD empfangen?
Die HD-Signale sind ausschließlich über digitale Verbreitungswege in HD zu sehen, also über einen digitalen Kabelanschluss, digitalen Satellit oder über so genanntes IPTV, also Fernsehen über das Internet. Beim Kabel gibt es bei der Signalübertragung je nach Anbieter regionale Unterschiede, über die man sich im Fachhandel informieren kann. Beim digitalen Antennenfernsehen DVB-T ist eine Übertragung der HD-Signale derzeit nicht möglich. Wichtig ist zudem die Auswahl des richtigen Programms: Die TV-Sender übertragen parallel in der Standardauflösung und in HD. Viele Zuschauer vergessen jedoch, auf den HD-Kanal umzuschalten.

4. Sind auch bei neuen TV-Geräten Zusatzboxen erforderlich?
Kunden sollten beim Neukauf eines Fernsehers auf jeden Fall wissen, ob ihr TV-Signal per Kabel, Satellit, Antenne oder Internet in die Wohnung kommt. Je nach Empfangsweg der TV-Signale brauchen Zuschauer andere Geräte für den HD-Empfang. Die meisten aller neuen TV-Modelle werden derzeit mit eingebautem HD-Kabeltuner verkauft. Mit diesem können zumindest unverschlüsselte Signale empfangen werden, wie sie ARD und ZDF ausstrahlen. Wer HDTV über Satellit empfängt, braucht einen HD-tauglichen Satellitentuner. In einigen modernen TV-Geräten sind auch schon HD-Tuner für mehrere Empfangswege integriert, etwa Kabel und Satellit. Bei IPTV ist immer eine Zusatzbox erforderlich, die in der Regel auch als Videorekorder dient.

5. Was ist zu tun, wenn die Signale per Kabel oder Satellit verschlüsselt sind?
Privatsender wie ProSieben, Sat1, Kabel1, RTL, Vox oder Sky verschlüsseln ihre HD-Signale. Hier brauchen Kunden spezielle Set-Top-Boxen oder TV-Geräte mit Schnittstellen für so genannte CI-Module, mit denen die Signale entschlüsselt werden können. Dazu sollte man sich im Fachhandel beraten lassen. Bei IPTV übernimmt die Entschlüsselung häufig die vom Anbieter ausgelieferte Set-Top-Box ohne weiteres Zutun des Kunden.

6. Wo gibt es zusätzlich zum TV weitere Inhalte in HD-Qualität?
Video-Downloads und -Streams in HD über das Internet sind bereits möglich, etwa beim Apple iTunes Store in Verbindung mit Apple TV oder bei Maxdome, Videoload sowie YouTube. Zudem können Blu-ray-Player, Spielekonsolen sowie moderne Digitalkameras und Camcorder Bilder in HD liefern.

Zusätzliche Informationen bietet der Verband in seinem kostenlosen „Leitfaden zum hochauflösenden Fernsehen der Zukunft (HDTV)“, der als übersichtlich gestaltetes PDF als Download erhältlich ist. Dieser ist nach BITKOM-Angaben jedoch auf dem Stand vom 3. August 2009. Über die speziellen Herausforderungen für die Zuschauer durch HD+ und CI+ erfährt man daher kaum etwas. Nicht zuletzt dank der zahlreichen Schaubilder vermittelt der Leitfaden jedoch auf verständliche Weise Basiswissen über HDTV.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

1 Kommentar zu Ein Jahr HDTV-Regelbetrieb bei ARD und ZDF

  1. KabelBW weigert sich bis heute Februar 2011 Arte HD in sein Kabelnetz einzuspeisen! Dank der Monopolpolitik unserer Poltiker keine Alternative für Kabelkunden in BW!

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