Kabelanbieter statt DSL-Anbieter – hohe Wechselbereitschaft der Kunden


Laut einer aktuellen Untersuchung möchte mehr als jeder vierte Breitband-Nutzer innerhalb eines Jahres seinen Internetprovider wechseln. Immer öfter heißt es dann „Kabelanbieter satt DSL-Anbieter“.

Die Telekommunikationskonzerne haben mit ihren DSL-Anschlüssen lange Zeit den Breitbandmarkt mehr oder weniger unter sich aufgeteilt. Erst vor wenigen Jahren haben die Kabelnetzbetreiber in Deutschland damit begonnen, massiv in den Netzausbau zu investieren, um schnelles Internet und Telefonie über den Kabelanschluss großflächig verfügbar zu machen. Das kam spät, aber nicht zu spät, wie auch die neue Marktanalyse „Telko-Radar 2012“ zeigt, die von der Strategieberatung SMP zusammen mit dem Meinungsforschungsunternehmen Innofact erstellt wurde.

Es handelt sich um eine repräsentative Befragung von 1.400 Kunden der sieben großen Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Jeweils 200 Kunden von 1&1, Deutscher Telekom, Telefónica (O2), Vodafone, Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW wurden für die Studie befragt. Basis der Stichprobe waren regelmäßige Internetnutzer ab 18 Jahren, die übrigens 58 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Kabelinternet als beliebte DSL-Alternative

„Kabelanbieter sind aktuell die Outperformer im Breitbandmarkt“, sagt Holger Neinhaus, Telekomexperte und Partner bei SMP. Sie wachsen aktuell nicht nur sehr schnell (20 Prozent), sondern haben auch zufriedenere Kunden als DSL-Anbieter. Daher stehen die etablierten Telekommunikationsunternehmen unter Druck. „Kunden, die einmal zu einem Kabelanbieter gehen, sind für die DSL-Anbieter kaum noch zurückzugewinnen.“

Für die DSL-Anbieter komme es jetzt vor allem darauf an, ihre Kunden an sich zu binden sowie das Kündigungsmanagement im Griff zu haben. Wachsen können die Telekommunikationskonzerne durch zusätzliche Angebote und das Bündeln verschiedener Leistungen zu einem Paket. „Dort haben DSL-Anbieter noch Vorteile gegenüber Kabelnetzbetreibern“, so Neinhaus.

Überraschend ist die hohe Wechselbereitsschaft der Kunden, die der „Telko-Radar 2012“ ausweist: Mehr als jeder vierte Breitband-Kunde plant einen Providerwechsel binnen zwölf Monaten. Sogar 30 Prozent der Kunden von DSL-Anbietern möchten ihren Provider innerhalb von zwölf Monaten verlassen, bei den Kunden von Kabelanbietern sind es lediglich 14 Prozent.

Unter dem Trend, zu einem Kabelanbieter statt zu einem anderen DSL-Anbieter zu wechseln, leiden allerdings nicht alle klassischen Telekommunikationsunternehmen gleichermaßen. Gegen den Trend gelingt es nämlich der Deutschen Telekom, die Zahl ihrer Breitbandkunden zu steigern.“Die Deutsche Telekom profitiert bei den Endverbrauchern von wahrgenommen Werten wie Sicherheit und Stabilität. Dies bietet Potenzial, um künftige Endkundenangebote zu vermarkten“, erklärt Neinhaus. Diesbezüglich seien jüngere DSL-Anbieter deutlich im Nachteil.

Internetprovider online wechseln

Handlungsbedarf sehen die Experten zudem im Vertriebsbereich: Eine sehr große Rolle spielen die persönlichen Kontakte eines Kunden, denn in 21 Prozent der Fälle kommt der Impuls zum Abschluss eines Breitband-Vertrags von Freunden und Bekannten. Der entsprechende Wert für den stationären Handel beträgt dagegen lediglich 8 Prozent. Wenn es um den Abschluss eines Vertrags geht, kommt die Hauptrolle indes dem Internet zu: 46 Prozent aller Breitband-Verträge kommen online zustande. Shops und Handel steuern mit 23,5 Prozent kaum mehr als die Hälfte davon bei. „Bemerkenswerte Erkenntnisse dafür, dass der stationäre Verkauf die höchsten Kosten im Vertrieb verursacht“, bemerkt Neinhaus.

DSL-Anbieter sollten stärker ihre Potenziale bei Bestandskunden nutzen, rät SMP. „Durch ihre Konvergenz-Kompetenz haben die DSL-Anbieter klare Chancen, ihr Geschäft auszubauen und Umsätze zu generieren. Der Kundenbedarf und die Zufriedenheit mit solchen Bündel-Leistungen sind beeindruckend“, sagt Neinhaus. Laut „Telko-Radar 2012“ möchte mehr als jeder zweite Kunde sämtliche Leistungen (einschließlich Mobilfunk, Festnetz, TV und Services) aus der Hand eines Anbieters erhalten.

Telekom ist mit VDSL und IPTV gut aufgestellt

Vielleicht ist das auch einer der entscheidenden Gründe für das gute Abschneiden der Deutschen Telekom. Der Telekom ist es gelungen, mit ihrer Plattform Entertain IPTV in Deutschland zu etablieren. Bei Vodafone bzw. vormals Arcor hielt sich bis letztes Jahr das Engagement arg in Grenzen, Telefónica stellt die Vermarktung von Alice TV zum Monatsende sogar ganz ein. Hilfreich ist in diesem Bereich natürlich eine hohe VDSL-Verfügbarkeit, weil für IPTV hohe Bandbreiten erforderlich sind, nicht zuletzt mit Blick auf das große Interesse an HDTV.

Zudem kann ein VDSL-Anschluss die derzeitigen Bedürfnisse hinsichtlich der Internetgeschwindigkeit in den allermeisten Fällen befriedigen, wenn DSL zu langsam ist. Gibt es kein VDSL, fällt es umso leichter, einen Kabelanbieter statt eines DSL-Anbieters zu wählen. Was die VDSL-Verfügbarkeit angeht, hat die Telekom gegenüber Vodafone und Telefónica die Nase vorn, aber außerhalb der Ballungsräume sieht es generell schlecht mit VDSL aus. Dort sind die Kabelanbieter dann oft die ersten, die überhaupt Highspeed-Internet verfügbar machen. Klug war insofern auch der Start von Entertain über Satellit, wodurch die Telekom trotzdem ein TV-Angebot unterbreiten kann, wo sie nur vergleichsweise langsame DSL-Anschlüsse zu bieten hat.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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