Ende der Grundverschlüsselung in Kabelnetzen von Unitymedia

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Das neue Jahr bringt Millionen Kabelhaushalten in Nordrhein-Westfalen und Hessen eine Verbesserung: Unitymedia beendet zum 2. Januar die Grundverschlüsselung bei Digital-TV. Damit sind dann Free-TV-Sender tatsächlich frei am digitalen Kabelanschluss zu empfangen. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Seit der Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens im Frühling gibt es analoges Fernsehen in Deutschland ausschließlich noch über Kabel. In Kabelhaushalten ist analoges Fernsehen noch sehr weit verbreitet, woran die sogenannte Grundverschlüsselung durch die Kabelnetzbetreiber einen erheblichen Anteil an. Wer sich in den letzten Jahren einen neuen Fernseher gekauft hat – und die Deutschen sind fleißige Käufer von TV-Geräten, dieses Jahr sollen es über 10 Millionen Neugeräte werden! – besitzt fast mit Sicherheit ein Gerät mit eingebautem Empfänger für digitales Kabelfernsehen (DVB-C-Tuner).

Einfach den Fernseher mit der Kabeldose zu verbinden, so einfach ist es im Gegensatz zum analogen Kabelfernsehen für die meisten Zuschauer bei Digital-TV nicht. In den meisten Kabelnetzen sind nämlich bis auf die öffentlich-rechtlichen Sender sämtliche TV-Programme verschlüsselt. Um eigentlich frei empfangbare Kanäle wie RTL, VOX, SAT.1 und ProSieben digital über Kabel sehen zu können, muss man sich diese erst freischalten lassen, wofür neben einer Smartcard auch noch ein CI+ Modul oder ein Digitalreceiver mit passendem Einschub für die Smartcard benötigt wird. Mitunter zahlt man auch noch monatlich eine extra Gebühr für einen “digitalen Kabelanschluss”.

Viele Haushalte bleiben beim analogen Kabelfernsehen

Das führt dazu, dass viele Fernsehzuschauer sich auf analoges Kabelfernsehen beschränken. Kabelhaushalte, die sich für Digital-TV entschieden haben, nutzen es oft nur am Hauptgerät im Wohnzimmer. Für einen zweiten oder gar dritten Fernseher müsste ja sonst ein zusätzliches CI+ Modul oder ein passender zusätzlicher Digitalreceiver angeschafft werden. Zusätzliche Smartcards erhält man in der Regel gegen die Zahlung einer einmaligen Gebühr.

Von den großen Kabelunternehmen verzichtet bislang allein Kabel BW (seit einigen Jahren schon) auf die Grundverschlüsselung. Für die Kabelnetzbetreiber hat die Grundverschlüsselung vor allem den Vorteil, auf diese Weise die Grundlage für Zusatzgeschäfte zu schaffen. Wer erst einmal mit der passenden Technik ausgestattet ist und Smartcards einsetzt, kann mit minimalem Aufwand Zusatzleistungen wie eine HD-Option oder Pay-TV-Kanäle buchen. Manche Kabelunternehmen schalten Digital-TV-Neukunden Pay-TV-Pakete für einen Testzeitraum kostenlos frei, wobei die Kunden meist aktiv werden müssen, wenn sie diese im Anschluss an die Gratisphase nicht weiter nutzen möchten. Wer weiß, wie viele Kunden aus Bequemlichkeit solche Optionen nicht kündigen?

70 digitale TV-Programme unverschlüsselt ab 2. Januar

Unitymedia hebt die Grundverschlüsselung am 2. Januar 2013 auf, sodass die Kunden von da an rund 70 Digitalsender ohne Smartcard und Freischaltung empfangen können. Besitzt der Fernseher keinen integrierten Digitaltuner für Kabelfernsehen, kann ein für wenig Geld erhältlicher Digitalreceiver genutzt werden. Das gilt allerdings nur für den Empfang in Standardauflösung. Hochauflösendes Fernsehen wird – bis auf die öffentlich-rechtlichen HD-Sender – wie bisher verschlüsselt. Um Programme wie RTL, SAT.1 und SPORT1 in HD-Qualität bei Unitymedia sehen zu können, muss also weiterhin eine extra Gebühr gezahlt werden. Dennoch stellt die Aufhebung der Grundverschlüsselung einen großen Fortschritt dar.

Der Grund für das Ende der Grundverschlüsselung beim digitalen Kabelfernsehen ist eine dementsprechende Auflage des Bundeskartellamts. Für die Übernahme von Unitymedia musste Liberty Global, Inc. (wozu damals schon das zuvor gekaufte Kabel BW gehörte) Zugeständnisse machen.

Fernsehzuschauer müssen nicht aktiv werden

Die von Unitymedia versorgten Kabelhaushalte müssen nicht aktiv werden, sondern können das Ende der Grundverschlüsselung einfach abwarten. Die Änderung erfolgt nämlich netzseitig. Ein Sendersuchlauf ist nicht erforderlich, und alle Senderplätze bleiben erhalten. An Geräten, bei denen die grundverschlüsselten Sender bisher nicht genutzt werden, empfiehlt sich anschließend natürlich eine Überarbeitung der Favoritenliste.

Wer von einem anderen Kabelnetzbetreiber als Unitymedia oder Kabel BW versorgt wird, dem bleibt die Grundverschlüsselung 2013 erhalten. Allerdings können Kunden von Kabel Deutschland darauf hoffen, dass das Kartellamt eine Aufhebung durchsetzen wird. Noch hat Kabel Deutschland schließlich kein grünes Licht der Wettbewerbshüter für die Übernahme von Tele Columbus. Insbesondere da Unitymedia die Grundverschlüsselung für die Fusion mit Kabel BW aufgeben muss, wäre es sehr unwahrscheinlich, wenn Kabel Deutschland daran festhalten dürfte. Angesichts der wachsenden Bedeutung von HDTV dürfte eine unverschlüsselte Einspeisung von privaten TV-Sendern in Standardauflösung ohnehin nicht mehr so wichtig wie früher sein.

Unitymedia Logo links oben: Unitymedia KabelBW

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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