US-Serien kurz nach US-Ausstrahlung online gucken

Die Online-Videothek Videoload hat damit begonnen, beliebte US-Serien kurz nach der TV-Premiere in Amerika in Deutschland anzubieten: „Grey’s Anatomy“, „Desperate Housewives“ und „Private Practice“ machen den Anfang, „Lost“ soll bald folgen. Gezeigt werden die Serien-Episoden im Original mit deutschen Untertiteln.

Los ging es bereits zu Wochenbeginn „mit brandneuen Folgen der sechsten Staffel von „Grey’s Anatomy“, drei Tage später startet „Desperate Housewives“ ebenfalls mit der sechsten Staffel, gefolgt von „Private Practice“ Staffel drei (Oktober 2009) und der letzten Staffel von „Lost“ (Januar 2010)“, informierte am Dienstag ein Pressetext von Videoload. „Diese topaktuellen Leihtitel werden in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln zum Preis von 2,49 Euro verfügbar sein. Die jeweiligen HD-Versionen kosten nur 50 Cent mehr. Diese Serien-Highlights sowie alle Topfilme aus dem Videoload-Angebot sind auf Knopfdruck auch über T-Home Entertain, dem IPTV-Angebot der Deutschen Telekom, erhältlich.“

Ein Vertrag mit den ABC-Studios ermöglicht es der Online-Videothek Videoload, endlich ein legales Angebot für den Vertrieb von brandneuen Serien und Spielfilmen im digitalen Markt aufzubauen. „Viele Serienfans in Deutschland haben nun die Möglichkeit, ihre Lieblingsserien kurz nach der US-Erstausstrahlung abzurufen“, freut sich Michael Ortlepp, Executive Producer bei Videoload. „Der Weg ist nun geebnet, diese Serien legal und in hochwertiger Qualität kurz nach der US-Erstausstrahlung online anschauen zu können. Wir arbeiten daran, sehr bald weitere Inhalte so zeitnah wie möglich auf Videoload anzubieten.“

Die Betonung bei diesem Thema muss auf „legal“ liegen, denn illegal sind die neuesten TV-Serien im Original schon lange jeweils kurz nach der Erstausstrahlung in den USA zu bekommen. Bei Videoload ist man der Auffassung, aus den schmerzhaften Erfahrungen der Musikindustrie gelernt zu haben, die durch illegale Downloads schwer gelitten hat. Den illegalen Downloads möchte man attraktive legale Angebote entgegensetzen: Videoload bietet mit „Hot from the US“ einen Premium-Service für alle, die die Fortsetzung ihrer Lieblingsserien schnellstmöglich genießen möchten“, erklärt Ortlepp.

Ohne das von den Nutzern illegaler Angebote angeführte Argument, legal seien die neuen Folgen ewig nicht zu bekommen, als Rechtfertigung gelten zu lassen: Illegale Angebote gedeihen dann besonders gut, wenn etwas auf ehrlichem Wege nicht zu bekommen ist. Ich bin überzeugt davon, dass viele Nutzer, die sich zum Bezug ihrer Serien aus illegaler Quelle verleiten lassen, bei einem inhaltlich und preislich attraktiven Angebot bald zu zahlenden Kunden werden würden.

Was die Qualität und Aktualität der Inhalte angeht, kann man Videoload gratulieren. Statt mit B- oder C-Ware startet die Online-Videothek ihre neue Rubrik mit Premium-Serien. Hinsichtlich der Quantität kommt es darauf an, die Fans anderer als der vier oben genannten TV-Serien nicht lange warten zu lassen. Mit ein paar Top-Serien die Akzeptanz der Kunden zu testen, bevor ein umfangreiches Angebot aufgebaut wird, ist okay.

Das große Problem sind indes die Preise von Videoload: Im Vergleich zu den USA, wo für weniger Geld die Videos nicht bloß ausgeliehen, sondern dauerhaft genutzt werden können, wirkt das Angebot in Deutschland teuer. Hier muss Videoload aufpassen, damit aus dem Interesse nicht ganz schnell eine Ablehnung wird und man nicht noch für lange Zeit unter einem „zu teuer“-Image leidet.

Ansonsten gilt jedoch: Ein kleiner Schritt für Serienfans, ein großer Schritt für Video on Demand. Das ist der Anfang vom Ende für kommerzielles Free-TV, möchte ich in bewusster Übertreibung sagen. Es ist nicht das Ende, aber das neue Videoload-Angebot gibt einen Vorgeschmack darauf, was für schwere Zeiten dem werbefinanzierten Free-TV bevorstehen.

Neben dem Umstand, die neuesten Serienfolgen aus den USA bisher nicht legal sehen zu können, schützt die deutschen Free-TV-Sender vor allem der fehlende deutsche Ton. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werden ausländische Produktionen hier synchronisiert, daran ist das deutsche Publikum gewöhnt, das ist besser als jeder technische Schutz vor Vervielfältigung. Die deutschen Untertitel, die Videoload für die aktuelle US-Ware liefert, könnten den einen oder anderen Serienfan dazu ermutigen, es mit der Originalfassung zu probieren.

Das erhöht nicht die Attraktivität der vor den TV-Geräten verbleibenden Zielgruppen. Die Free-TV-Kanäle kämpfen nicht nur mit sinkenden Zuschauerzahlen alleine. Hochwertige Programminhalte einzukaufen oder zu produzieren wird so für die privaten Free-TV-Anbieter immer schwieriger, doch mit jeder Einsparung beim Programm beschleunigen sie diesen Prozess. Daher haben Pay-TV und Online-Videotheken auf lange Sicht sehr gute Karten, kein Wunder, dass Kabel Deutschland Video on Demand im nächsten Jahr selbst anbieten möchte. Insofern ist es beispielsweise goldrichtig, dass die ProSiebenSat.1-Gruppe (gemeinsam mit 1&1) die eigene Online-Videothek Maxdome betreibt, wo es inzwischen auch Downloads gibt.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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