Telekom baut ihr IPTV-Angebot um

Die Telekom setzt bei ihrem IPTV-Angebot T-Entertain künftig auf mehr Flexibilität. Es gibt in Kürze nur noch zwei Entertain Komplettpakete. Das größte Paket Entertain Premium wird billiger, bietet allerdings es auch weniger Leistungen als vorher. Das Ziel, bis Ende nächsten Jahres den Pay-TV-Anbieter Sky bei den Abonnentenzahlen einzuholen, erscheint mit Blick auf die verfügbaren TV-Sender zu ehrgeizig.

Insgesamt bietet die Telekom nach der Umstellung vier IPTV-Tarife an. Zwei davon, Entertain Pur (27,95 Euro) und Entertain Pur Flat (39,95 Euro), enthalten keinen Internetanschluss, sondern nur Telefon und TV-Angebote, der eine davon ohne und der andere mit Sprachflatrate im Festnetz. Das dürfte kaum jemanden interessieren: Wer so fortschrittlich ist und über das Internet fernsieht, wird wohl zu Hause nicht auf einen Internetanschluss verzichten wollen, oder?

Und die anderen neuen IPTV-Pakete? Entertain Comfort (44,95 Euro) und Eintertain Premium (49,95 Euro) bieten einen Telefonanschluss mit Sprachflatrate ins Festnetz, einen Internetanschluss mit DSL-Flatrate sowie IPTV mit rund 70 Kanälen. Zu den Pluspunkten zählen die Möglichkeit zum zeitversetzten Fernsehen, eine Online-Videothek, ein persönlicher Videorekorder und ein Programmmanager, der per Computer und Handy programmiert werden kann. Entertain Premium beinhaltet zusätzliche neun Fernsehsender, darunter AXN, SciFi, RTL Crime, Kinowelt TV, Sat.1 Comedy, TNT Film.

Weitere TV-Kanäle können über das Entertain Menü hinzugebucht werden, was praktisch ist. Vorbildlich: Festlegen müssen sich Kunden nur für mindestens einen Monat, anschließend lassen sich die zusätzlichen TV-Pakete bei Entertain jederzeit wieder abbestellen. Diese Flexibilität im Pay-TV ist lobenswert und kommt dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen, sich nicht lange zu etwas verpflichten zu wollen. Gebunden sind die Kunden jedoch an das Triple-Play-Paket an sich.

Ebenfalls positiv an der neuen Paketstruktur ist die kleinteiligere Bündelung von TV-Sendern zu Pay-TV-Paketen, denn viele Leute wollen nicht etwas mitbezahlen, was sie gar nicht nutzen. Das ist ja einer der Hauptkritikpunkte an der Preisstruktur bei der Konkurrenz Sky. Außerdem ist der Einstieg ins Pay-TV so schon für wenig Geld möglich, denn die Preise liegen zwischen 2,95 und 5,95 Euro monatlich. Bei Buchung mehrerer Pakete gibt es günstigere Kombi-Preise, was zwar gut ist, aber das Ganze nicht übersichtlicher werden lässt.

Über die in den neuen Pay-TV-Paketen enthaltenen Fernsehsender schreibt die Deutsche Telekom heute in einer Presseinformation: „Das ‚Film‘-Paket enthält hochwertige Spielfilm- und Seriensender wie 13th Street, Kinowelt TV, Sci Fi, AXN und TNT Serie. Mit dem ‚Sport‘-Paket können Entertain Kunden internationalen Spitzensport auf ESPN America, Eurosport 2 und dem Extreme Sports Channel erleben. Das ‚Doku‘-Paket umfasst unter anderem die Sender History, Discovery Channel und National Geographic. Das ‚Kinder‘-Paket bietet mit Disney Channel, Cartoon Network und vielen mehr beste Unterhaltung für die ganze Familie. Das ‚Lifestyle‘-Paket umfasst Sender wie Romance TV, RTL Living und E! Entertainment. Für anspruchsvolle Erwachsenen-Unterhaltung gibt es das ‚Lounge‘-Paket mit Sendern wie Lust Pur und Hustler TV.“

Schaut man nicht so genau hin, klingt das alles sehr gut: billiger, flexibler und vielfältiger. Zunächst einmal braucht man für HDTV einen VDSL-Anschluss, denn im Gegensatz zum IPTV-Angebot Alice TV wird hochauflösendes Fernsehen nur den Kunden mit besonders schnellem Internetanschluss angeboten. Der Aufpreis von 10 Euro für VDSL 25 (maximal 25 MBit/s im Downstream, 5 MBit/s im Upstream) bzw. 15 Euro für VDSL 50 (maximal 50 MBit/s im Downstream, 10 MBit/s im Upstream) ist das Eine, aber VDSL muss am Wohnort überhaupt erst einmal verfügbar sein.

Das große Paket Entertain Premium wird zwar ein gutes Stück billiger, doch die attraktive Flatrate für die Nutzung der vielen WLAN Hotspots der Telekom ist nicht mehr inklusive, die Programmzeitschrift TV Digital gehört nicht mehr zum Abo und günstigere Sprachtarife sind ebenfalls nicht mehr dabei.

Zuletzt ist da noch eine Sache, die in Werbung und Berichterstattung leicht unter den Tisch fällt: das Programmangebot. In den beiden wichtigen Pay-TV-Bereichen Sport und Spielfilme ist das IPTV-Angebot der Telekom vergleichsweise schwach aufgestellt, jedenfalls wenn man das Programmangebot bei Entertain mit der Vielfalt bei Sky vergleicht. Entertain mag eine Alternative zu Kabel Digital Home sein, nicht aber zu Sky, wobei immerhin Fans des deutschen Fußballs billiger als bei Sky an die 1. und 2. Bundesliga kommen, sogar die Buchung einzelner Spieltage ist möglich. Um Sky im Pay-TV-Markt ernsthaft angreifen zu können, muss die Telekom ihr IPTV-Angebot bei Sport und Spielfilmen deutlich verstärken.

Über Oliver Springer 796 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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