Test: Netflix mit Apple TV

Icon der Netflix-App auf Apple TV | Foto: Redaktion

Wie gut lässt sich die Onlinevideothek Netflix mit der Set-Top-Box Apple TV nutzen? Eine Netflix-App für Apple TV war direkt zum Deutschland-Start des Video-on-Demand-Dienstes im September 2014 verfügbar. Seitdem ist ein gutes halbes Jahr vergangen – Zeit für einen Erfahrungsbericht!

Beim Deutschland-Start von Netflix war von Beginn an für unzählige Endgeräte eine passende App erhältlich. Die Apple TV-Unterstützung ist insoweit keine Besonderheit, aber die günstige kleine Box ist für Netflix-User eine gute Wahl. Das ist jedenfalls ist unsere Erfahrung aus den letzten Monaten.

Nicht erst seit Apple den Preis für die aktuelle (dritte) Generation seiner Set-Top-Box auf 79 Euro gesenkt hat, ist das Gerät eine interessante Wahl, wenn es darum geht, die Netflix-Inhalte auf den Fernseher zu holen. Der niedrige Preis ist allerdings ein wichtiger Faktor, wenn es vorrangig darum geht, die Netflix-Streams auf dem Fernsehschirm zu bringen. Schließlich gibt es die Netflix-App auch für günstigere Alternativen  wie den Chromecast-Stick von Google. Immerhin ist Apple TV nun billiger als die Fire TV Box von Amazon, für die ebenfalls eine App von Netflix angeboten wird.

Box und Fernbedienung nebeneinander
Box und Fernbedienung nebeneinander

Die Netflix-App ist für Besitzer einer Apple TV Box leicht zu finden, denn es gibt ja nur sehr wenige Apps für das Gerät. Ist bereits ein Netflix-Konto vorhanden, muss man sich nur mit seinen Kundendaten einloggen und kann loslegen. Die kleine Fernbedienung der Box macht die Eingabe leider zu einer Geduldsprobe. Es ist sehr zu hoffen, dass Apple bei künftigen Generationen seiner Set-Top-Box endlich eine größere und vor allem besser bedienbare Fernbedienung dazulegt. Für einen Ausgleich sorgt die sehr flüssige Bedienung der Box. Auf den meisten Smart TVs ist das eine zähe Angelegenheit.

Hochwertiges Design

Ist man „drin“, befindet man sich in der Rubrik „Vorschläge für Sie“ und die Cover ausgewählter Titel „fliegen“ einem entgegen. Das sieht immer wieder nett aus, auch wenn man den Effekt inzwischen gut kennt. Übersichtlich ist das jedoch nicht, aber für eine Vorschau geht das in Ordnung. Bewegt man sich zu einem der anderen Menüpunkte (ohne diesen bereits auszuwählen) auf der Hauptebene, werden einem auf die gleiche Weise Cover angezeigt.

Optisch ansprechend | Foto: Redaktion
Optisch ansprechend | Foto: Redaktion

Die weiteren Menüpunkte heißen „Genres“, „Serien“, „Neuerscheiungen“, „Meine Liste“, „Suche“, „Kids“, „Profil wechseln“. Praktisch: Die kürzlich angesehenen Titel haben ihren eigenen Menüpunkt auf der Hauptebene. So kommt man schnell zurück zu einem zuvor angefangenen Film oder zu der Serie, die man derzeit ansieht. Klickt man einen Menüpunkt mit Inhalten an, werden einem alle betreffenden Titel in Reihen mit jeweils mehreren Covern angezeigt. Das sieht gut aus und andere Onlinevideotheken verfahren ebenso.

Cover-Bilder in Reihen ohne Beschriftung | Foto: Redaktion
Cover-Bilder in Reihen ohne Beschriftung | Foto: Redaktion

Leider ist es heute allgemein üblich, unter die Cover nicht mehr den Titel zu schreiben, sondern die Bilder für sich sprechen zu lassen. Dort sind die Titel mitunter sehr schlecht zu erkennen. Zum jeweils ausgewählten Video wird dann doch der Titel eingeblendet. Das Stöbern im Angebot von Netflix macht auf der Apple TV Box mehr Spaß als auf den meisten Smart TVs, denn obwohl das Gerät technisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist, kann man schnell und flüssig navigieren. Getrübt wird das Vergnügen allerdings durch die Fernbedienung, bei der Fehlbedienungen sehr häufig vorkommen.

Keine Trailer in dieser Version der App

Wir empfehlen daher aufgrund unserer Erfahrungen, das Stöbern und Suchen nicht erst zu beginnen, wenn Ihr auf der Couch sitzt. Sucht Euch lieber am Computer heraus, welche Videos Ihr in nächster Zeit anschauen wollt und setzt diese auf die Merkliste. Dafür spricht außerdem, dass die Netflix-App für Apple TV keine Trailer bietet. Das ist aus unserer Sicht ein dicker Minuspunkt. Auf den von uns bisher getesteten Smart-TV-Apps von Netflix lassen sich dagegen Trailer abspielen. Bei der von uns ebenfalls getesteten Netflix-App für Entertain vermissen wir die Trailer aber genauso.

Detailseite zum Film "Free Rainer" | Foto: Redaktion
Detailseite zum Film „Free Rainer“ | Foto: Redaktion

Auf den Detailseiten lassen sich Inhalte bewerten und auf die Merkliste setzen. Interessant ist die Möglichkeit, anhand der jeweils mitspielenden Darsteller weitere Videos mit diesen Schauspielern zu finden. Den Entwicklern ist es gelungen, die App sehr gut und dennoch übersichtlich aussehen zu lassen.

Ansprechende Bildqualität, aber kein 4K

Solange wir sie auf unserer Apple TV Box genutzt haben, lief die App stabil und zuverlässig. Die Bildqualität überzeugt, aber Käufer sollten wissen: Mehr als Full-HD-Auflösung hat die dritte Generation der Set-Top-Box nicht zu bieten. Netflix hat (wie übrigens auch Amazon) bereits einige eigene Inhalte in 4K-Auflösung produziert. Noch sind 4K-Videos allgemein Mangelware und ob die Fernsehsender (von denen auf absehbare Zeit weiterhin die meisten Serien und anderen Inhalte kommen werden) in nächster Zeit nachziehen, ist fraglich. Andererseits sind es gerade die Netflix-Abonnenten, die in nächster Zeit mit einem wachsenden 4K-Angebot rechnen dürfen. In der höheren Auflösung erhältlich sind etwa „House of Cards“, „Bloodline“ und „Better Call Saul“.

Serie "Better Call Saul" bei Netflix | Foto: Redaktion
Serie „Better Call Saul“ bei Netflix | Foto: Redaktion

Ist die aktuelle Apple TV Box also keine gute Wahl mehr? Doch, wer noch keinen 4K-Fernseher besitzt, kann sich zum Anschauen der Netflix-Videos heute durchaus noch eine solche Box holen. Steht später im Wohnzimmer der Wechsel auf 4K an, lässt sich das Gerät an einem Zweitfernseher weiter sinnvoll nutzen. Schließlich will man überall Video-on-Demand haben.

Einige der Serien bei Netflix | Foto: Redaktion
Einige der Serien bei Netflix | Foto: Redaktion

Ärgerlich finden wir, dass nach dem Ende einer Serienepisode während des Abspanns ein Countdown für den Start der unmittelbar nächsten Folge eingeblendet wird. Am Ende des Countdowns beginnt die neue Folge, ohne dass der User etwas tun muss. Möchte man den Abspann komplett sehen, muss man jedesmal aktiv werden. Leider haben wir beim Test der App keine Möglichkeit gefunden, diese Automatik auszuschalten. Was als sinnvolle Funktion gedacht war, fällt negativ auf, wenn es einem aufgedrängt wird.

Testfazit

Wer keinen passenden Smart TV und auch keines der zahlreichen anderen Geräte im Wohnzimmer stehen hat, für das Netflix eine Version seiner App anbietet, findet in der aktuellen (dritten) Apple-TV-Generation eine einfache und erprobte Möglichkeit, sich die Onlinevideothek ins Wohnzimmer zu holen. Von kleinen Schwächen abgesehen punktet die Kombination aus Apple TV und Netflix-App gerade durch gute Bedienbarkeit. Die in der App fehlenden Trailer kann man sich am Computer ansehen, wo man sich eh einen besseren Überblick über die aktuell abrufbaren Inhalte verschaffen kann. Soll allerdings bald ein 4K-Fernseher angeschafft werden, empfiehlt sich die Apple TV Box höchstens als Übergangslösung.

Netflix-App für Apple TV

Netflix-App für Apple TV
81.25

Bedienung

8/10

    Design

    10/10

      Bildqualität

      9/10

        Funktionsumfang

        7/10

          Pro

          • übersichtlich
          • ansprechendes Design
          • sehr schnell

          Contra

          • keine Trailer
          • kein 4K (aufgrund Hardware)
          • nächste Folge startet während Abspann
          Über Oliver Springer 796 Artikel
          Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Telekommunikation, Medien, Video-on-Demand, Fernsehen, Kabelanschluss, IPTV, Instant Messaging, Musik und Kaffee. Als Serienfan interessiere ich mich besonders für Onlinevideotheken und Pay-TV. Vor meiner Zeit als Blogger hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute.

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